
Blends erobern Schottland
Coffey-Brennblase und Blends
1830 ließ sich ein irischer Zollbeamter eine Erfindung patentieren, die schneller, billiger und ununterbrochen Alkohol herstellte als jede Pot Still. Aus dieser Coffey-Brennblase entstand der leichte Grain Whisky – und aus der Mischung von Grain und Malt der Blended Whisky, der Schottland zur Weltmarke machte.
Aeneas Coffey erfindet die Column Still
Aeneas Coffey arbeitete als Zollinspektor in Irland und kannte das Brennereigewerbe aus nächster Nähe. Er baute auf einer früheren Konstruktion von Robert Stein auf. 1830 entwickelte er daraus eine verbesserte, kontinuierliche Brennblase, die aus zwei hohen Säulen bestand. Anders als eine klassische Pot Still musste sie zwischen den Durchläufen nicht geleert und neu befüllt werden. Maische floss oben hinein, Alkohol lief unten ununterbrochen wieder heraus, Tag und Nacht, ohne Pause zwischen den Chargen.
Das Verfahren war um ein Vielfaches schneller und billiger als das traditionelle Doppelbrennen in kupfernen Kesseln. Es brauchte weniger Personal und lieferte einen sehr reinen, leichten Alkohol, meist aus Mais oder Weizen statt aus gemälzter Gerste. Diesen leichten, milden Brand nennt man bis heute Grain Whisky, im Gegensatz zum kräftigeren Malt Whisky aus der Pot Still. Coffey bot seine Erfindung zunächst irischen und schottischen Brennern an. In Irland stieß er auf wenig Interesse, weil die dortigen Brenner stolz auf ihre kräftige Pot-Still-Tradition waren. In Schottland zögerten viele zunächst ebenfalls, weil sie um ihren gewohnten Stil fürchteten, griffen dann aber doch zu, sobald sie den wirtschaftlichen Vorteil erkannten.
Warum reine Malts sich schwer verkauften
Pur getrunken war der frühe schottische Malt Whisky für viele Gaumen zu rau, zu rauchig und zu unberechenbar in der Qualität von Fass zu Fass. Für den englischen Markt und erst recht für den Export war das ein echtes Problem. Kunden außerhalb Schottlands wollten einen Geschmack, auf den sie sich verlassen konnten, Flasche für Flasche, Jahr für Jahr.
Genau hier setzten umtriebige Kaufleute an, vor allem Lebensmittelhändler mit gutem Gespür für Geschmack und Handel. Sie begannen, den milden Grain Whisky mit kräftigerem Malt Whisky aus verschiedenen Brennereien zu mischen. Das Ergebnis ließ sich gezielt auf einen bestimmten, wiederholbaren Geschmack einstellen. Genau darin lag die Geburtsstunde des Blended Whisky, eines Whiskys aus mehreren Brennereien und mehreren Getreidearten.
Namen, die bis heute stehen
Der Edinburgher Händler Andrew Usher gilt als einer der ersten, der solche Mischungen im großen Stil kommerzialisierte, ab den 1850er- und 1860er-Jahren. Ihm folgten Namen, die heute jeder kennt: John Walker und John Dewar, beide ursprünglich Kaufleute, keine Brenner von Beruf. Verkauft haben sie vor allem eines: Verlässlichkeit, verpackt in einer hübschen Flasche mit wiedererkennbarem Etikett.
Ihre Blends ließen sich in großen Mengen produzieren und hielten die Qualität über Jahre stabil. Sie schmeckten deutlich zugänglicher als reiner Malt und ließen sich leichter pur oder mit Wasser trinken. Damit eroberten sie Märkte, die reinem Scotch bis dahin verschlossen geblieben waren. Zuerst gewannen sie England, dann das gesamte britische Empire, schließlich die ganze Welt. Handelsvertreter reisten mit Musterkoffern durch Kolonien und Hafenstädte, von Kalkutta bis Kapstadt, und bauten dort feste Vertriebsnetze auf. Diese frühen Exportwege legten den Grundstein für das, was Scotch bis heute ausmacht: eine Spirituose, die fast überall auf der Welt erhältlich ist.
Blended Whisky wird zum Normalfall
Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts hatte sich das Verhältnis komplett gedreht. Blended Whisky machte den weit größten Teil des schottischen Exports aus. Der Großteil dessen, was Trinker außerhalb Schottlands unter dem Namen Scotch kannten, war zu dieser Zeit längst eine Mischung, kein reiner Malt mehr. Reiner Malt Whisky wurde zur Nische für Kenner, kaum noch gefragt beim breiten Publikum im Ausland. Diese Verschiebung fiel mit einem zweiten Ereignis zusammen, das die Nachfrage nach Scotch noch einmal massiv anheizte: einem winzigen Schädling, der in Frankreich ganze Weinberge vernichtete.
Wie dieser Zufall aus der Natur den schottischen Whisky auf einen Boom katapultierte, den anschließend niemand kontrollieren konnte, erzählt die nächste Station dieser Reise.