
Kupfer statt Kolonne
Brennen
Wer Westlands Brennhaus betritt, sieht zwei kupferne Brennblasen unterschiedlicher Größe. Eine fasst 7.570 Liter, die andere 5.670 Liter. So lässt sich die Maische in zwei Schritten brennen und Schritt für Schritt konzentrieren, bevor der Rohbrand ins Fass geht.
Copperworks am Hafen von Seattle setzt auf traditionelle, aus Schottland stammende Kupferbrennblasen. Sie wurden eigens für die zweifache Destillation von Malt Whiskey gebaut. 2018 kürte das American Distilling Institute die Brennerei zur Distillery of the Year. Ausschlaggebend war auch die Sorgfalt an genau diesen Blasen.
In Portland brennt Westward seine Maische, die mit Bierhefe statt Brennhefe vergoren wurde. Gebrannt wird zweifach in einer trägen, reflexarmen Brennblase, die dem Destillat mehr vom Getreidecharakter lässt als eine hochreflexive Anlage. Das Ergebnis ist ein Rohbrand, der schwerer und würziger wirkt als aus einer schlanken, hochtechnischen Brennkolonne.
Alle drei Brennereien bleiben bei Pottstills aus Kupfer und verzichten auf durchlaufende Kolonnenanlagen, wie sie in der Bourbon-Produktion üblich sind. Der Schnitt, also die Entscheidung, wann Vorlauf endet und Nachlauf beginnt, liegt bei allen dreien in der Hand des Brennmeisters. Eine automatische Steuerung gibt es nicht.
So bleibt die Handarbeit am Kupfer der gemeinsame Nenner der Region. Größe, Form und Reflex der Blasen wechseln von Brennerei zu Brennerei, und jeder Betrieb zieht daraus seinen eigenen Charakter.
Wer die drei Häuser nacheinander besucht, hört fast dieselbe Erklärung. Die Blase entscheidet mehr über den späteren Whiskey als jede spätere Fassreifung, und deshalb wird an ihr am wenigsten experimentiert. Dabei hat jede Brennerei ihre eigene Kupferschmiede und ihre eigenen Vorlieben.