
Scharf trifft Süße
Whisky & Essen
Tennessee isst nicht überall gleich. Im Westen des Staates, rund um Memphis, schmoren Rippchen stundenlang im Rauch, eingerieben mit einer trockenen Gewürzmischung statt in Sauce ertränkt. In der Mitte, dort wo Lynchburg und Nashville liegen, dreht sich alles um etwas anderes. Frittiertes Hähnchen steckt unter einer feuerroten Paste aus Cayennepfeffer.
Dieses Nashville Hot Chicken wird mariniert, paniert und frittiert. Danach taucht es in eine Paste aus Cayennepfeffer und weiteren Gewürzen, von mild bis extrascharf gestuft. Die Süße und die Kohle-Rundung eines Tennessee Whiskeys fangen die Schärfe auf, ohne sie zu ertränken. Ein Schluck zwischen zwei Bissen, und die nächste Portion Hitze fühlt sich wieder neu an.
In Lynchburg selbst, direkt neben der Brennerei, serviert Miss Mary Bobo's Boarding House seit 1908 Südstaatenküche in einer alten Pension. Auf den Tisch kommen gebratenes Hähnchen, Maisbrot und Fischplatten, dazu gleich mehrere Beilagen auf einmal. Gegessen wird an langen Tischen, an denen sich Fremde gegenübersitzen und die Platten einfach weiterreichen.
Zu Hause reicht auch weniger Aufwand. Tennessee Whiskey passt zu Macaroni and Cheese ebenso wie zu Collard Greens, dem bitteren Grünkohl-Verwandten der Südstaatenküche. Die Süße des Whiskeys gleicht die Bitterkeit der Greens aus. Seine Röstnoten nehmen dazu die Cremigkeit des Käses auf.
Entlang des offiziellen Tennessee Whiskey Trail verbinden heute etliche Adressen zwischen Lynchburg und Nashville beides bewusst. Erst kommt die Verkostung am Vormittag, dann der Teller am Nachmittag. Rauch, Röstung und Schärfe gehören in dieser Küche seit jeher zusammen, das eine ergibt ohne das andere wenig Sinn.