
Karamell statt Schärfe
Verkosten
Wer zum ersten Mal an einem Tennessee Whiskey riecht, bekommt selten scharfen Alkohol in die Nase. Die Ahornkohle nimmt dem jungen Brand einen Teil seiner Kanten, bevor er überhaupt ins Fass kommt. Das schmeckt man später: runder, süßer, mit mehr Karamell als bei einem vergleichbar jungen Bourbon aus Kentucky.
Old No. 7 aus Lynchburg ist für viele der erste Kontakt mit der Kategorie. In der Nase liegen Trockenfrüchte, Holz und eine leichte Würze, am Gaumen Vanille, Holz und wieder Trockenfrüchte, im Abgang trocken und lang.
Gentleman Jack nimmt denselben Rohstoff und schickt ihn nach der Reifung ein zweites Mal durch Kohle, direkt vor dem Abfüllen. Das ist unter amerikanischen Whiskeys ungewöhnlich. Es macht ihn spürbar weicher, mit mehr Karamell und Vanille und weniger von der Würze, die Old No. 7 noch hat.
In Shelbyville entsteht Uncle Nearest 1856, benannt nach Nathan Nearest Green, dem Mann, der Jack Daniel das Brennen beibrachte. In der Nase liegen geröstete Eiche und Honig, dazu etwas Birne. Am Gaumen kommen Zimt, Muskat, brauner Zucker und eine Karamellsüße, die alles zusammenhält.
Getrunken wird Tennessee Whiskey im Süden oft pur oder mit einem großen Eiswürfel, seltener mit viel Wasser. Für die erste Verkostung reicht trotzdem ein kleiner Schluck stilles Wasser daneben. Er öffnet die Nase, ohne den Karamellton zu ertränken, und zeigt, ob ein Whiskey auch bei Zimmertemperatur noch Struktur hat.