
Siedler & Pioniere
Region & Geschichte
Wer Craft Beer aus Patagonien probieren will, landet fast immer an zwei Orten am Fuß der Anden: in San Carlos de Bariloche am Nahuel-Huapi-See und in El Bolsón, einem Tal weiter im Süden. Beide Orte wuchsen erst im 20. Jahrhundert, und beide verdanken ihr Bier Einwanderern aus Mitteleuropa.
In El Bolsón soll sich 1900 der Deutsche Otto Tipp niedergelassen haben, mit einem Rezept im Gepäck. Um 1914 eröffnete er dort eine kleine Bierfabrik. Die Anwohner erzählen, er habe eine weiße Fahne über seinem Haus gehisst, sobald das Bier fertig war. Ob das stimmt, lässt sich nicht mehr prüfen, aber die Geschichte lebt bis heute weiter.
In Bariloche gilt ein Bier namens „Parque Nacional“ als das erste handwerklich gebraute. Zwei deutsche Pioniere, Esteban Zufiaur und Juan Antonio Leberle, stellten es ab 1927 her. Danach blieb es lange still. Erst 1989 folgte Blest, die erste neue Brauerei der Stadt. Julio Migoya und Nicolás Sillin brauten anfangs als Hobby, und nach ihrer Entlassung bei der Firma INVAP bauten sie ihre Anlage selbst.
Heute prägt eine dichte Szene kleiner Brauereien beide Orte. Nach Angaben der örtlichen Tourismuswerbung hat Bariloche die meisten Brauereien je Einwohner des Landes. Eine feste Zahl nennt niemand verlässlich, denn Betriebe öffnen und schließen jedes Jahr.
Einen Herkunftsschutz für Patagonien-Bier gibt es nicht. Im EU-Register der geschützten Bierbezeichnungen steht keine einzige argentinische Eintragung, und Begriffe wie „cerveza patagónica“ sind schlicht Selbstbeschreibung der Brauer.