
Rot, sauer, g.g.A.
Region & Geschichte
Roeselare ist eine Mittelstadt in Westflandern, und wer dort das Flanders Red Ale sucht, findet es hinter der Backsteinfassade von Rodenbach. Die Familie Rodenbach gründete die Brauerei 1821. Bis heute steht sie für ein Bier, das mehr nach Wein klingt als nach Pils: rotbraun, fruchtig, mit einer deutlichen Säure.
Der Stil hat mit Bayern wenig zu tun. In Westflandern gärt und reift das Bier gemischt, also mit Hefe und Milchsäurebakterien, in großen Eichenholzfässern, den Foeders. Das dauert Monate bis Jahre, deshalb schmeckt das Ergebnis sauer, aber rund.
Neu ist der Herkunftsschutz. Am 1. Oktober 2026 hat die EU „Vlaams roodbruin bier“ und „Flanders Red Ale“ als geschützte geografische Angabe (g.g.A.) eingetragen, mit der Verordnung (EU) 2026/2168; der Antrag stammt von 2025. Als Herkunftsgebiet nennen die Unterlagen die Bezirke Roeselare, Tielt und Kortrijk, dazu Kortemark und Ichtegem.
Rodenbach selbst gehört nicht mehr der Gründerfamilie. Die Brauerei ist Teil von Palm Belgian Craft Brewers, und Palm wiederum kam 2016 zur niederländischen Gruppe Bavaria, heute Swinkels Family Brewers. Duvel Moortgat hat damit nichts zu tun.
Auch Brügge liegt in Westflandern. Die Brauerei De Halve Maan, bekannt für Brugse Zot und Straffe Hendrik, ließ 2016 eine rund drei Kilometer lange Bier-Pipeline unter der Altstadt verlegen, damit keine Tankwagen mehr über das Kopfsteinpflaster rollen müssen. Kortrijk, im Süden der Provinz, kennen viele eher als Stadt der Schlacht der Goldenen Sporen von 1302.