
Kaiser & Kolonisten
Region & Geschichte
Welche Brauerei ist die älteste Brasiliens? Die Cervejaria Bohemia in Petrópolis nennt 1853 als Gründungsjahr und gilt deshalb als erste Brauerei des Landes. Das ist eine Eigenangabe, aber in Brasilien allgemein anerkannt. Als Gründer nennen die Quellen deutsche Auswanderer, meist Henrique Kremer, gelegentlich auch Henrique Leiden.
Die Stadt war damals gerade zehn Jahre alt. Kaiser Dom Pedro II. unterzeichnete am 16. März 1843 das Dekret für eine Sommerfrische hoch in der Serra, wo die Luft im Sommer deutlich kühler bleibt als in Rio. Der deutsche Ingenieur Júlio Frederico Koeler zeichnete die Straßen, ab 1845 entstand der Sommerpalast, der erst 1862 fertig wurde. Um ihn herum siedelten deutsche Kolonisten, 1859 zählte man etwa 3.300.
Die Brauerei wechselte oft den Namen. Nach Kremers Tod 1865 führten die Erben sie als Augusto Kremer & Cia., später hieß sie Imperial Fábrica de Cerveja Nacional, und 1898 entstand daraus die Companhia Cervejaria Bohemia. Zu Beginn füllte das Haus nach eigenen Angaben sechstausend Flaschen im Monat ab und lieferte sie mit Karren aus.
1960 kaufte die Companhia Antarctica Paulista die Marke. Heute gehört Bohemia zu Ambev, dem brasilianischen Teil von AB InBev. 1998 schloss man das Werk in Petrópolis, weil der Platz zum Wachsen fehlte, und braute im Bundesstaat São Paulo weiter. 2012 öffnete die alte Fabrik wieder, jetzt auch als Museu da Cerveja mit Besichtigung.
Einen geschützten Herkunftsnamen gibt es für brasilianisches Bier nicht. „Bohemia“ ist eine Marke, „Pilsener“ eine Stilbezeichnung. Der Name erinnert an Böhmen, die Heimat des Pils, sagt aber nichts über die Herkunft des Rezepts.