
Serra und Küste
Wasser & Boden
Warum braute man ausgerechnet in den Bergen? Petrópolis liegt auf etwa 800 Metern Höhe in der Serra Fluminense, einem bewaldeten Gebirgszug im Hinterland von Rio. Dort ist es spürbar kühler als an der Küste, und das war für untergärige Biere ein echter Vorteil, solange es keine Kältemaschinen gab.
Durch die Stadt fließt der Piabanha, ein Fluss, der in der Serra entspringt und auf dem Weg ins Tal von Regenwald und Berghängen gespeist wird. Die Berge fangen die feuchte Luft vom Atlantik auf, es regnet reichlich, und kleine Bäche laufen das ganze Jahr. Wasser war für eine Brauerei hier also kein Mangel.
Wie sich dieses Wasser im Bier zeigt, lässt sich nur vorsichtig sagen. Weiches, mineralarmes Wasser lässt Hopfenbittere sauber und rund wirken, hartes Wasser macht sie schärfer. Verlässliche Messwerte für das historische Brauwasser von Petrópolis fehlen,. Heute bereiten ohnehin fast alle Betriebe ihr Wasser auf.
Unten in Rio ist das Klima das Gegenteil: heiß, feucht, mit Sommertagen weit über 30 Grad. Hier entscheidet nicht der Boden, sondern die Kälte im Glas. Ein Bier, das im Kühlraum nahe null Grad gelagert wird, schmeckt in dieser Hitze nach Erholung, bei Zimmertemperatur wäre es schnell schal.
Diese Zweiteilung prägt die Region bis heute. Oben entstanden die ersten Brauereien, weil die Gärung im kühlen Bergklima leichter zu steuern war, unten wurde das Bier zum Getränk der Straße, des Strands und der Eckkneipe.