
Kolonie & Brauerei
Region & Geschichte
Wie kam deutsches Bier nach Qingdao? Über die Kolonie Kiautschou. Im November 1897 besetzte die deutsche Marine die Bucht, und im März 1898 zwang das Kaiserreich China einen Pachtvertrag über 99 Jahre ab. Die Stadt, damals Tsingtau geschrieben, wurde zum Hafen und Marinestützpunkt ausgebaut.
Die Kolonialverwaltung legte getrennte Viertel für Europäer und Chinesen an, baute Straßen, Wasserleitungen und Kanalisation und holte Handwerker und Kaufleute ins Land. Das alles geschah auf Pachtland, das China nicht freiwillig hergegeben hatte. Wer heute die roten Dächer der Altstadt bewundert, sieht deshalb auch ein Stück Kolonialgeschichte.
Am 15. August 1903 wurde die Germania-Brauerei gegründet, getragen von der Anglo-German Brewery Co., einer deutsch-englischen Aktiengesellschaft mit Sitz in Hongkong. Sie sollte vor allem die europäischen Siedler und Seeleute versorgen und braute nach deutscher Art ein Lagerbier nach Pilsner Vorbild. Nach Angaben der Brauerei lief der erste Sud im Dezember 1904, und 1906 gab es auf einer Ausstellung in München eine Goldmedaille.
Mit der Kolonie endete 1914 auch die deutsche Brauerei. Japan belagerte die Stadt und nahm sie im November ein, 1916 kaufte die Dai Nippon Brewery aus Tokio das Werk für 500.000 Silberdollar. Später wechselten die Eigentümer mehrfach, und nach 1949 lag der Betrieb in staatlicher Hand.
Heute heißt das Unternehmen Tsingtao Brewery Co. und ist an den Börsen in Hongkong und Shanghai notiert. Größter Aktionär ist mit rund 33 Prozent die Tsingtao Brewery Group. Asahi aus Japan verkaufte seine 20 Prozent 2017, davon 18 Prozent an den chinesischen Konzern Fosun, der seinen Anteil später abbaute. Einen geschützten Herkunftsnamen gibt es nicht: Tsingtao ist eine Marke, keine eingetragene Herkunftsangabe.