
Klöster, Stifte, Familien
Region & Geschichte
Wer im Allgäu ein Bier bestellt, trinkt oft eines aus einem Haus, das älter ist als manches Land. Die Zötler Brauerei in Rettenberg am Fuß des Grünten beruft sich auf das Jahr 1447 und nennt sich nach eigenen Angaben die älteste aktive Familienbrauerei der Welt. Das Datum beruht auf einer Überlieferung. Dass seither lückenlos gebraut wurde, ist damit nicht bewiesen.
Älter als jede Brauerei als Betrieb sind die Klöster. Das Kloster Irsee im Ostallgäu geht nach Angaben der Klosterbrauerei auf das Jahr 1182 zurück. Mönche brauten, weil Bier als Nahrung galt und sich über die Fastenzeit trinken ließ, ohne das Fasten zu brechen. Mit der Säkularisation 1803 wurden die Klöster aufgelöst, in Irsee ist heute ein Bildungshaus untergebracht, und die Klosterbrauerei besteht weiter.
In Kempten, der größten Stadt der Region, liegt das Allgäuer Brauhaus. Seine Archive nennen für 1394 eine Stiftsbrauerei als Ursprung. Die Brauerei zum Engel entstand 1858, 1911 wurde die Allgäuer Brauhaus AG eingetragen. Heute gehört der Standort zur Radeberger Gruppe und gilt nach eigener Darstellung als größte Brauerei im Allgäu.
Wie viele Brauereien es gibt, hängt davon ab, wo man das Allgäu enden lässt. Die Tourismusseite der Region spricht von mehr als 30. Das Gebiet reicht über die Landesgrenze: Irsee, Kempten und Rettenberg liegen in Bayern, Leutkirch im württembergischen Allgäu, wo Härle seit 1897 braut.
Einen Herkunftsschutz für das Allgäu gibt es bei Bier nicht. Das EU-Register kennt nur das „Bayerische Bier“ (g.g.A., 2001) für den bayerischen Teil. In Bayern gilt zudem, dass auch obergäriges Bier ohne Zucker gebraut wird.