
Kohl, Pinkel, Mahl
Essen & Bierkultur
Zu Bremen gehört im Winter der Grünkohl mit Pinkel. Pinkel ist eine geräucherte Grützwurst mit Hafergrütze und Speck. Sie schmeckt kräftig, rauchig und fett, und ein trockenes Pils schneidet diese Fülle durch, ohne mit dem Rauch zu streiten.
Daraus ist die Kohlfahrt geworden: Gruppen ziehen mit dem Bollerwagen im Winter aufs Land, trinken unterwegs Bier und essen am Ziel Grünkohl. Es ist eher ein gesellschaftliches Fest als ein Gelage, und ein Teil der Bremer Vereine feiert es als Jahresereignis.
Die berühmteste Tafel der Stadt ist die Schaffermahlzeit, die seit 1545 im Bremer Rathaus gefeiert wird. Kaufleute, Reeder und Kapitäne trafen sich vor dem Auslaufen der Schiffe im Frühjahr. Auf der Karte stehen traditionell Hühnersuppe, Stockfisch, Braunkohl mit Pinkel, Kalbsbraten, Rigaer Butt und Käse.
Dazu gehört das Seefahrtsbier. Nach Angaben der Brauerei wird es eigens für die Schaffermahlzeit bei Beck's gebraut und ist sonst nirgends zu bekommen. Das Rezept gilt als alt und stammt der Überlieferung nach aus dem Jahr 1554.
Im Alltag trinkt man in Bremen Pils aus der Tulpe oder aus der Flasche. Eine feste Trinkgröße schreibt die Stadt nicht vor. Die Hanse hat ihr Selbstbild vor allem über Handel und Seefahrt gebildet, und das Bier ist ein Teil davon, kein Zeremoniell für sich.
Wer die Kohlfahrt macht, nimmt den Pinkel in Kauf: Er wird geräuchert, mit Speck und Hafergrütze gefüllt und lange im Kohl gegart. Dazu wird Bier getrunken, und die Tour gilt als Wintertradition im Norden. Die Kohlfahrt ist ein Gemeinschaftsfest, bei dem man gemeinsam isst und unterwegs ist.