
Hof, Aktie, Pils
Region & Geschichte
Bier wird in und um Dresden länger gebraut, als es hier Pils gibt. Am Fuß des Hahneberges durfte ein Hof ab 1644 Bier und Wein ausschenken, und aus diesem Ausflugslokal wurde später das Feldschlößchen.
1836 entstand die Societätsbrauerei Waldschlösschen. Die Brüder Meisl kauften das Feldschlößchen 1838 und bauten dort eine Lagerbierbrauerei, also eine Brauerei für untergäriges Bier, das kühl im Keller reift. 1858 folgte die Aktienbrauerei zum Feldschlößchen. Aktien waren in dieser Zeit ein beliebter Weg, so viel Geld für Kessel und Keller zusammenzubekommen.
Wann kam das Pils nach Sachsen? Pilsen braute seinen ersten Sud am 5. Oktober 1842, nur dreißig Jahre später, 1872, gründeten fünf Männer in Radeberg nordöstlich von Dresden eine Aktienbrauerei namens Zum Bergkeller. Ab 1885 hieß sie Radeberger Exportbierbrauerei. Nach Angaben der Brauerei ist sie die erste Brauerei Deutschlands, die ausschließlich Bier nach Pilsner Art braute und bis heute besteht.
Auch die Auszeichnungen stammen aus Brauereiüberlieferung. Demnach erhob Reichskanzler Bismarck das Radeberger Pilsner 1887 zum Kanzlerbräu, und 1905 erhielt es den Titel eines Getränks des sächsischen Königs.
Der Krieg traf die Stadtbrauereien hart: Im Feldschlößchen waren 55 Prozent der Anlagen zerstört, doch schon 1945 lief die Produktion wieder an. Anfang der 1960er Jahre wurden Feldschlößchen, Felsenkeller und Waldschlößchen zum VEB Dresdner Brauereien zusammengefasst. Radeberger gehört heute zur Radeberger Gruppe, das Brauhaus am Waldschlösschen schenkt weiter aus.
Herkunftsschutz gibt es für das Bier selbst nicht. Pils ist in Deutschland ein Gattungsname, und kein sächsisches Bier steht im EU-Register. Geschützt ist nur der Hopfen aus der Nachbarschaft: Elbe-Saale Hopfen trägt seit 2014 das g.g.A.-Siegel.