
Keller, Export, Berg
Region & Geschichte
Erlangen ist die Bierstadt am Burgberg. Nach örtlicher Überlieferung nutzten Brauer die Südseite dieses Sandsteinhügels schon ab 1675 für ihre Lagerkeller. Darin blieb das Bier auch im Hochsommer kühl, lange bevor es Kältemaschinen gab.
Wann die Bergkirchweih begann, lässt sich genau sagen: Am 21. April 1755 beschloss der Rat der Erlanger Altstadt, den Pfingstmarkt aus dem Zentrum auf den Burgberg zu verlegen. Damit ist das Fest gut 50 Jahre älter als das Münchner Oktoberfest. Wer heute vom „Berg“ spricht, meint dieses Fest und den Hügel zugleich.
Im 19. Jahrhundert wuchs die Stadt zur Brauereihochburg, bis zu 18 Brauereien arbeiteten hier. Mitte des Jahrhunderts stand Erlangen im bayerischen Bierexport an erster Stelle, noch vor München und Kulmbach. Erlanger Bier ging ins Deutsche Reich, in die Schweiz, nach Frankreich, England und bis nach Übersee. In den USA wurde „Erlanger“ zu einem Gütebegriff für gutes Bier.
Zwei Namen prägen die Stadt bis heute. Die Brauerei Kitzmann wurde 1712 gegründet und gehörte seit 1833 der Familie Kitzmann. Steinbach baute unter Carl Steinbach ab 1861 stark aus, musste aber 1923 in den Inflationsjahren schließen. Mit Carl von Lindes Kältemaschine verlor der Keller seinen Vorsprung, und das Braugewerbe schrumpfte.
Einen eigenen Herkunftsschutz hat Erlanger Bier nicht, im EU-Register steht kein Eintrag dafür. Es gilt wie überall in Bayern das Reinheitsgebot, auch ohne Zucker, und der Name „Bayerisches Bier“ ist seit 2001 geschützt. Kitzmann stellte 2018 den Betrieb ein, die Marke übernahm die Kulmbacher Brauerei. Geblieben sind die Keller im Berg.