
Tee, Fisch, Pils
Essen & Bierkultur
Trinken Ostfriesen lieber Tee oder Bier? Beides, nur zu anderer Zeit. Die ostfriesische Teekultur gehört seit Dezember 2016 zum bundesweiten Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes der Deutschen UNESCO-Kommission. Seit rund dreihundert Jahren trinkt man hier Tee, meist eine kräftige Mischung mit Assam, mit einem Stück Kandis, dem Kluntje, und einem Schuss Sahne, dem Wulkje.
Der Tee füllt den Nachmittag, das Bier den Abend. Beide stehen nicht in Konkurrenz, sie gehören zum selben Alltag. Im Brauhaus oder Gasthof beginnt der Abend oft mit einem Pils, das zu Fisch passt, weil seine Bittere die Fettigkeit durchschneidet.
Zu den Gerichten der Küste zählen Nordseekrabben, die man in Orten wie Greetsiel anlandet, und Matjes, der junge, mild gesalzene Hering. Auch Bratfisch mit Bratkartoffeln und Remoulade passt gut zu einem herben Pils. Süßes gibt es mit der Friesentorte, einer Sahnetorte mit Blätterteig, Pflaumenmus und Sahne, die eher zum Tee gehört.
Ein Ritual ist das Boßeln, ein Wurfspiel auf der Straße, bei dem eine Kugel möglichst weit geworfen wird. Es ist ein Wettkampf für Gruppen und endet meist im Gasthof. Auch Biertouren zu Brauereien und zum Brauereimuseum in Bagband locken Gäste an die Küste, und dort gibt es ebenfalls Tee, Gebäck und Gespräche über das Wetter.
Wer Gäste hat, stellt Tee und Bier nebeneinander auf den Tisch und lässt jeden wählen. Zum Biertrinken gehört die Mäßigung. Ein Pils im Glas, ein Teller Fisch und die Weite des Landes dahinter genügen vollauf.