
Lich, Frankfurt, Odenwald
Region & Geschichte
Gibt es Bier aus Hessen? Ja, und mehr, als der Ruf des Apfelweins vermuten lässt. Hessen ist kein Bierland wie Franken, doch zwischen Main, Lahn und Odenwald stehen Brauereien, die ihre Gegend seit dem 19. Jahrhundert prägen.
Die bekannteste ist die Licher Privatbrauerei in Lich bei Gießen. Johann Heinrich Jhring gründete sie 1854 am Hardtberg, wo ein Brunnen und ein Felsenkeller zur Kühlung bereitstanden. 1922 schloss sie sich mit der Gambrinus-Brauerei aus Butzbach zusammen, die Christian Jakob Melchior seit 1858 betrieben hatte. Seit 2004 gehört Licher zur Bitburger Braugruppe und gilt als Marktführer im Land.
Frankfurt hatte lange einen eigenen Riesen. Conrad Binding gründete seine Brauerei 1870 in der Altstadt, elf Jahre später zog sie nach Sachsenhausen auf den Sachsenhäuser Berg. Seit 1953 gehörte sie zum Oetker-Konzern, dessen Getränkesparte heute Radeberger Gruppe heißt, und 2001 übernahm Binding den Vertrieb der Nachbarmarke Henninger. Inzwischen ist der Brauereistandort in Sachsenhausen aufgegeben, die Marken Binding, Henninger und Schöfferhofer sollen an anderen Standorten der Gruppe weiter gebraut werden.
Im Odenwald hält die Privat-Brauerei Schmucker im Mossautal dagegen und beruft sich auf das Gründungsjahr 1780. In Darmstadt nennen Verzeichnisse die Brauerei Grohe von 1838 und die Darmstädter Privatbrauerei von 1847, und die Hausbrauerei im Ratskeller entstand 1989.
Einen EU-Herkunftsschutz für hessisches Bier gibt es nicht. Unter den eingetragenen deutschen Bieren steht keines aus Hessen. Es gilt hier wie überall in Deutschland die Bierverordnung: Untergärige Sorten bestehen aus Gerstenmalz, Hopfen, Hefe und Wasser.