
Dorf statt Altstadt
Region & Geschichte
Wo hört Düsseldorf auf, und wo fängt der Niederrhein an? Beim Altbier gibt es keine scharfe Grenze, aber einen deutlichen Unterschied im Gefühl. Hier wird das kupferfarbene Bier nicht in Altstadtgassen gezapft, sondern in Dorfwirtschaften, Stadtvierteln und Familienbrauereien zwischen Neuss, Krefeld und der niederländischen Grenze.
Am weitesten zurück reicht die Privatbrauerei Bolten in Korschenbroich. Sie beruft sich auf das Jahr 1266, als der Herr von Myllendonk einem Heinrich dem Brauer erlaubt haben soll, auf dem Kraushof Bier zu brauen. Den Namen Bolten trägt der Betrieb, weil 1519 ein Mitglied dieser Familie als Besitzer genannt wird. Nach eigener Darstellung ist es die älteste Altbierbrauerei der Welt, und von außen lässt sich das kaum nachprüfen.
Einen anderen Weg ging Issum bei Geldern. 1878 gründete der Krefelder Braumeister Josef Diebels dort seine Brauerei, und schon 1898 stellte sie 10.000 Hektoliter im Jahr her. Bis Anfang der 1970er Jahre braute man fast jede Sorte, die in Deutschland gefragt war. Dann setzte Diebels nur noch auf ein obergäriges Altbier und wurde damit überregional bekannt. Die Brauerei gilt als größte deutsche Altbierbrauerei und gehört seit der Übernahme 2001 zu Anheuser-Busch InBev.
Krefeld hat seine eigene Brautradition behalten. Die Brauerei Gleumes beruft sich auf das Gründungsjahr 1807, die Brauerei Königshof entstand 2003 an einem Ort, an dem früher schon gebraut wurde. In Mönchengladbach braut die Hensen Brauerei. Eine verlässliche Zahl für die ganze Region gibt es nicht, weil der Niederrhein keine Verwaltungsgrenze hat.
Einen Herkunftsschutz gibt es für das Bier nicht. Altbier steht anders als Kölsch nicht im EU-Register der geschützten Herkunftsangaben, und eine Konvention wie in Köln ist nicht bekannt. Der Name ist an keine Stadt gebunden. Die Brauer am Niederrhein stützen sich deshalb auf ihre Geschichte und ihre Rezepte.