
Rotbier und Reichsstadt
Region & Geschichte
Wie alt ist das Nürnberger Rotbier? Nach Angaben der Hausbrauerei Altstadthof taucht das Original Nürnberger Rotbier um 1310 im ältesten Satzungsbuch der Stadt auf. Die ersten schriftlichen Belege für ein eigenständiges Nürnberger Brauwesen stammen demnach aus den Jahren 1303 bis 1305, als der Rat das sogenannte Gerstengebot erließ.
Gebraut wurde damals fast in jedem Viertel. Am Ende des 14. Jahrhunderts gab es in Nürnberg mehr als 40 Brauereien, bei rund 30.000 Einwohnern. Wer Bier brauen und verkaufen wollte, musste nach einer Ratsverordnung einen eigenen Keller zum Gären und Lagern besitzen. Aus dieser Pflicht ist das Labyrinth aus Gängen unter der Altstadt entstanden.
1597 zählte man in der Stadt 35 Rotbierbrauereien. Danach schrumpfte die Zahl, und zwischen etwa 1905 und 1910 löste das bayerische Braunbier das Rotbier schleichend ab. Das war ein Wechsel im Geschmack, und er folgte einer politischen Linie: Nürnberg war eine freie Reichsstadt und kam erst 1806 zu Bayern, das Gebot von 1516 galt hier also nicht von Anfang an.
Als Gründungsjahr der späteren Tucher-Brauerei nennt das Unternehmen 1672, als in der damaligen Waizenstraße das Städtische Weizenbräuhaus entstand. 1855 verkaufte das Königreich Bayern die Königliche Brauerei an die Dr.-Lorenz-Tucher-Stiftung, die den Namen Tucher einführte. Heute gehört Tucher zur Radeberger Gruppe.
Fürth hat eine eigene, kürzere Geschichte. Humbser, Grüner, Geismann, Bergbräu und Evora & Meyer, die fünf traditionellen Fürther Brauereien, gingen durch Zusammenschlüsse schließlich in Tucher auf. Humbser, 1782 gegründet, schloss 2008. Grüner, 1860 von den Brüdern Johann Heinrich und Georg Heinrich Grüner aus Altdorf gegründet, stellte das Brauen 1977 ein.
Einen eigenen EU-Herkunftsschutz hat das Nürnberger Rotbier nicht, der Name steht nicht im Register der geschützten Biernamen. Rechtlich gilt heute das bayerische Reinheitsgebot, bei obergärigem Bier also auch kein Zucker.