
Fisch, Kohl, Segel
Essen & Bierkultur
Zu einem herben Pils gehört im Norden Fisch. Die Kieler Sprotte, ein geräucherter kleiner Hering, schmeckt salzig und rauchig, und die trockene Bittere schneidet den Fettfilm von der Zunge. Auch Matjes und ein Fischbrötchen an der Küste vertragen sich damit, weil das Pils Säure und Salz nicht übertönt.
Deftiger geht es mit Labskaus zu, einem Gericht aus Pökelfleisch, Kartoffeln und Roter Bete, das Seeleute mit in die Häfen brachten. Die Kohlensäure des Pils hebt das Schwere. In Dithmarschen, der Kohlregion, kommt Dithmarscher Kohl auf den Tisch, als Eintopf oder Beilage zu Fleisch, und dazu passt ein Bier mit klarer Bittere, das die Würze nicht erschlägt.
Auch die Hanse lebt in den Gerichten fort. Lübeck handelte mit Salz, und das Salzige gehört zur Küche. Zum Nachtisch gibt es in der Region Rote Grütze, ein säuerlicher Fruchtbrei, der mit einem Pils wenig zu tun hat, wohl aber zum Norden.
Das größte Fest ist die Kieler Woche, die auf Segelregatten im 19. Jahrhundert zurückgeht und im Sommer in Kiel gefeiert wird. Bier wird dort wie bei jedem Stadtfest ausgeschenkt, im Mittelpunkt stehen aber die Boote auf der Förde.
Die Trinkkultur ist ruhig. Man bestellt ein Pils am Tresen und gibt dem Wirt Zeit zum Zapfen. Trinkgrößen sind das 0,3-Liter-Glas und die 0,33-Liter-Flasche. Wer Auto fährt, greift zu alkoholfreiem Bier, das in Deutschland bis 0,5 Prozent vol als „alkoholfrei“ gilt.