
Inseln, Tartu, Tallinn
Region & Geschichte
Wer in Estland nach dem ältesten Bier sucht, landet auf den Inseln. Koduõlu heißt wörtlich „Hausbier“ und wird vor allem auf Saaremaa gebraut, der größten estnischen Insel. Auf dem Festland ist diese Bauernbier-Tradition weitgehend verschwunden, auf den Inseln hielt sie sich. Der Grund liegt wohl in der Abgeschiedenheit, dazu kam fruchtbares Ackerland mit genug Getreide.
Gebraut wurde auf dem Hof, für den eigenen Tisch. Das Wissen ging von den Eltern an die Kinder, ohne Zunft und ohne Rezeptbuch.
Eine kleine Brauerei im heutigen Sinn entstand erst nach der Sowjetzeit. Pihtla Õlleköök im Dorf Pihtla auf Saaremaa nahm im Dezember 1990 den Betrieb auf, kurz nach der Unabhängigkeitserklärung Estlands, und gilt als älteste Kleinbrauerei des Landes. Die Brauerei von Pöide wurde 2013 wiedereröffnet und zog später nach Kuressaare, in die Inselhauptstadt mit der Bischofsburg.
Auf dem Festland lief die Geschichte anders. In Tartu beruft sich die Brauerei A. Le Coq auf das Gründungsjahr 1807. 1912 soll sie Lieferant des russischen Kaiserhofs geworden sein, ihr Imperial Extra Double Stout wurde in Tartu gebraut und im ganzen Reich verkauft. Heute gehört A. Le Coq zur finnischen Olvi-Gruppe und braut nach eigener Darstellung das beliebteste Bier des Landes, das A. Le Coq Premium.
Die junge Szene begann 2011 mit Põhjala in Tallinn. Vier Gründer, darunter Enn Parel und Peeter Keek, ließen ihr erstes Bier zunächst bei anderen brauen. Die eigene Brauerei im Stadtteil Nõmme eröffnete im April 2014.
Einen EU-Herkunftsschutz für ein estnisches Bier gibt es nicht. Auch Koduõlu steht in keinem Register, es ist eine Haustradition und kein geschützter Name.