
Coreff und Lancelot
Region & Geschichte
Seit wann wird in der Bretagne Bier gebraut? Die ältesten Spuren führen ins Jahr 1624, als der aus Irland eingewanderte John Fagan als Brauer auftaucht. Im 18. und vor allem im 19. Jahrhundert wurde Bier in den Städten alltäglich, und Zuwanderer aus Irland, Flandern, dem Elsass und Deutschland gründeten Brauereien.
Es entstanden regelrechte Brauerdynastien, etwa die Graffs in Rennes, die Despinoys in Landerneau sowie die Schaeffers und Burgelins in Nantes. Sie hielten sich bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts. Dann ging es bergab. Kerinou schloss 1981, die Brasseries nantaises folgten 1987, und das Kronenbourg-Werk in Rennes machte 2003 dicht.
Den Neuanfang setzte 1985 in Morlaix die Brasserie des Deux Rivières, die unter dem Namen Coreff bekannt wurde. Jean-François Malgorn und Christian Blanchard, zwei frühere Angestellte des Crédit Mutuel de Bretagne, hatten in England beim Braumeister Peter Austin gesehen, wie eine kleine Brauerei arbeitet. Coreff gilt als erste Mikrobrauerei der Bretagne, und das Wort ist Bretonisch für Cervoise, ein altes Wort für Bier. Bis Januar 2005 stand die Brauerei in Morlaix, seither sitzt sie in Carhaix im Finistère.
Vier Jahre nach Coreff gründete Bernard Lancelot seine Brauerei. Er war Atomingenieur gewesen und danach Imker bei Paimpont, und er wollte etwas herstellen, das mit Geschichte und Kultur der Bretagne zu tun hat. Seit 1999 braut die Brasserie Lancelot am Roc-Saint-André in Val d'Oust im Département Morbihan.
Im Sog dieser beiden wuchs die Szene schnell. Für 2016 sind rund 95 bretonische Brauereien gezählt worden, neuere Übersichten nennen mehr als 250. Die Zahlen schwanken je nach Zählweise. Einen EU-Herkunftsschutz für bretonisches Bier gibt es nicht.