
Garten von England
Region & Geschichte
Kent heißt in England der „Garten“ des Landes, und der Hopfen gehört zu den Gründen. Wo heute Kentish Ale gezapft wird, standen im 16. Jahrhundert die ersten Hopfengärten Englands, rund um Canterbury und im Weald. Zuvor braute man hier ungehopftes Ale, süßlich und nur kurz haltbar. Der Hopfen machte das Bier bitter, aber auch länger lagerfähig.
1574 schrieb der Kenter Reginald Scot ein Handbuch für den Hopfenanbau, das als eines der ersten englischen gilt. Im 17. Jahrhundert kam rund ein Drittel der englischen Ernte aus Kent. Für die Ernte reisten im Spätsommer Familien aus dem Londoner East End an, mit Sonderzügen und in einfachen Hütten untergebracht. Für viele war das der einzige Urlaub des Jahres. Erst in den 1950er und 1960er Jahren verdrängten Maschinen die Pflücker.
In Faversham liegt die Brauerei Shepherd Neame. Sie nennt sich selbst die älteste Brauerei Großbritanniens und führt 1698 als Gründungsdatum, nach Angaben der Brauerei wurde dort aber schon früher gebraut. Bekannt sind Spitfire, seit 1990 im Sortiment, und das kräftigere Bishops Finger.
Zwei Namen stehen unter EU-Schutz. Kentish ale and Kentish strong ale sind seit 1996 eine geschützte geografische Angabe (g.g.A.). East Kent Goldings erhielt 2013 den strengeren Schutz als g.U., als geschützte Ursprungsbezeichnung. Auch nach dem Brexit stehen beide Namen weiter im EU-Register.
Heute gibt es in Kent neben dem Traditionshaus eine Reihe kleiner Brauereien, viele Hopfengärten sind aber verschwunden. Geblieben sind die Gebäude zum Trocknen, die Oast Houses, und eine Landschaft, in der der Hopfen noch immer zum Alltag gehört.