
Kreide & Brunnen
Wasser & Boden
Woher kommt das Wasser für ein Bier aus Faversham? Aus der Tiefe. Die Brauerei Shepherd Neame wurde nach der Überlieferung über einem artesischen Brunnen gegründet, einem Brunnen, bei dem das Wasser von selbst aus dem Gestein nach oben drückt. Nach Angaben der Brauerei fördert sie ihr Brauwasser noch heute aus eigener Tiefe, und für das Kentish Ale ist Brunnenwasser Teil der Herkunftsregeln.
Der Boden Kents ist über weite Strecken Kreide. Die Hügel der North Downs bestehen daraus, und Regen sickert durch das poröse Gestein, nimmt Kalk mit und sammelt sich in großen Wasserspeichern. Solches Wasser ist meist karbonatreich, also von hoher Härte. Das macht das Brauen heller Biere schwierig, weil der Kalk die Würze weniger sauer werden lässt und die Bittere härter wirken kann. Kräftigere, bernsteinfarbene Biere kommen damit gut zurecht.
Wichtiger ist heute ohnehin der Brauer. Fast jede Brauerei bereitet ihr Wasser auf, enthärtet es, gibt Salze zu oder nimmt sie heraus. Die Lehrbuchformel, ein Wasser mache einen Stil, gilt für die Gegenwart kaum noch.
Der Boden prägt vor allem den Hopfen. Auf den tiefgründigen, gut durchlüfteten Böden des Weald und im Osten rund um Canterbury wurzeln die Hopfenpflanzen tief. Windschutzhecken und die milde Lage am Ärmelkanal gehören zum klassischen Bild eines Kenter Hopfengartens. Wer an einem Septembermorgen durch die Hügel bei Brenchley fährt, sieht Gerüste, Hecken und weiße Hauben auf den Dächern der Trockenhäuser.