
Familienbrauer & Craft
Region & Geschichte
Manchester und der Nordwesten Englands brauen seit dem 19. Jahrhundert für Fabrikstädte, in denen das Bier an jeder Straßenecke im eigenen Pub zu haben war. Bis heute liegt hier eine ungewöhnlich dichte Reihe von Familienbrauereien, die ihre Wirtshäuser selbst besitzen. Ihr Erkennungszeichen ist das dunkle Mild, ein leichtes, malziges Bier, das in diesem Landstrich länger überlebt hat als fast überall sonst.
In Stockport kaufte William Robinson am 29. September 1838 das Wirtshaus Unicorn Inn. Gebraut wurde dort erst ab 1849, als sein ältester Sohn George das erste Robinsons Ale ansetzte. Ab 1859 führte Frederic Robinson den Betrieb und erwarb nach und nach Pubs, damit sein Bier dort auch wirklich ausgeschenkt wurde. Nach Angaben des Unternehmens leitet heute die fünfte und sechste Generation der Familie die Brauerei und besitzt rund 250 Pubs, die meisten im Nordwesten.
Joseph Holt begann 1849 mit einer kleinen Brauerei hinter einem Pub in der Oak Street in Manchester, 1855 zog er in die York Street, 1860 entstand die Derby Brewery in Cheetham, wo bis heute gebraut wird. Auch hier spricht die Brauerei von sechs Generationen Familienbesitz und von rund 127 Pubs. J. W. Lees in Middleton beruft sich auf das Jahr 1828, Hydes in Salford auf 1863.
Thwaites in Blackburn begann 1807 mit der Eanam Brewery, gegründet von Daniel Thwaites und zwei Geschäftspartnern. 2015 übernahm Marston's die Brauerei für rund 25 Millionen Pfund. 2018 zog sie nach Mellor Brook im Ribble Valley um, das alte Brauhaus in Blackburn wurde 2019 abgerissen.
Die junge Szene sieht anders aus. Marble begann 1997 hinter dem Wirtshaus Marble Arch in Manchester, Cloudwater gründeten Paul Jones und James Campbell, bis dahin Braumeister bei Marble, am 13. Januar 2014. Einen EU-Herkunftsschutz für Bier aus Manchester gibt es nicht; in England tragen ihn nur Kentish ale und Rutland Bitter.