
Kohle und Kapelle
Region & Geschichte
Wer an einem Spieltag durch Cardiff geht, kommt in der Nähe des Arms Park an Pubs vorbei, die schon Stunden vor dem Anpfiff voll sind. Das Bier darin heißt oft Brains, und es ist malzig, kupferbraun und mit rund vier Prozent Alkohol eher leicht. So schmeckt Welsh Ale für die meisten Waliser: nach Bitter und Dark Mild, beides obergärig.
Samuel Arthur Brain gründete sein Unternehmen 1882 in Cardiff. 1999 übernahm Brains die Brauerei Hancock's, die nahe dem Bahnhof Cardiff Central stand, und zog im Jahr 2000 auf deren Gelände. Seit 2019 braut die Firma im neuen Dragon Brewery in Cardiff Bay. Das Leitbier Brains SA gilt als Paradebeispiel für ein malziges Best Bitter.
Cardiff war im 19. Jahrhundert ein Kohlehafen, und in den Tälern dahinter förderten Bergleute die Kohle. Ein leichtes, dunkles Bier wie Mild galt als Getränk für den Feierabend nach der Schicht. Die Kapellen der Nonkonformisten sahen das kritisch. Der Sunday Closing (Wales) Act von 1881 verbot den Ausschank an Sonntagen, und erst im 20. Jahrhundert fiel die Regel Bezirk für Bezirk.
Im Dezember 1935 füllte die Brauerei Felinfoel in Llanelli ihr Bier als erste in Großbritannien in Dosen. Das Blech dafür stammte aus der Region, denn Llanelli hatte eine große Weißblechindustrie. Die Dose stand damit am Anfang einer Entwicklung, die das Bier aus dem Pub auch ins Wohnzimmer brachte.
Einen eigenen Herkunftsschutz gibt es für Welsh Ale nicht. Aus Großbritannien stehen im EU-Register nur Kentish ale und Rutland Bitter, beide aus England. Heute arbeiten in Wales mehr als hundert kleine Brauereien, etwa Tiny Rebel in Newport, neben Brains als größtem Namen.