
Eisfabrik, Brüder, Konzern
Region & Geschichte
Woher kommt Birra Moretti? Aus Udine in Friaul. Dort eröffnete Luigi Moretti 1859 eine „Fabbrica di Birra e Ghiaccio“, also eine Brauerei samt Eisfabrik. Udine gehörte damals zum Kaiserreich Österreich. Untergäriges Bier verlangt kühle Keller, und wer Eis herstellen konnte, hatte dafür die richtige Technik.
Udine und Venetien kamen erst 1866 zu Italien. In dieser Weinlandschaft hatte es das Bier nie leicht, denn zum Essen stand fast immer ein Glas Wein auf dem Tisch. Gebraut wurde trotzdem, und 1897 gründeten die Brüder Luigi, Sante und Giovanni Luciani in Pedavena eine eigene Brauerei.
Pedavena ist ein Ortsteil von Feltre in der Provinz Belluno, am Rand der Dolomiti Bellunesi. Die Familie baute den Betrieb aus und gründete in Feltre sogar eine Technikerschule mit Kursen für Brauer und Mälzer. Später kamen ein Zoopark, Sportanlagen und ein Theater im Grünen dazu.
In den 1970er-Jahren geriet die Brauerei in die Krise, 1974 ging sie an Heineken. Auch Moretti gehört seit 1996 zu diesem Konzern. Wegen des Vorwurfs einer marktbeherrschenden Stellung musste Heineken ein Werk in Friaul abgeben, und 1997 entstand daraus die Birra Castello mit Sitz in San Giorgio di Nogaro.
Im Januar 2006 kaufte Castello auch Pedavena, das Heineken schließen wollte. Am 4. April 2006 lief die Brauerei wieder an. Der Name Moretti bleibt mit Friaul verbunden, gebraut wird er heute aber anderswo, nämlich in Heineken-Werken in Assemini, Comun Nuovo, Massafra und Pollein. Einen EU-Herkunftsschutz für ein Bier aus Friaul oder Venetien gibt es nicht.