
Lager und Langhe
Region & Geschichte
Piemont heißt „am Fuß der Berge“, und genau dort liegt es: Im Westen und Norden ziehen die Alpen die Grenze, im Süden schließen sich die Hügel der Langhe an. Hier wachsen Nebbiolo, Barbera und Dolcetto, hier stehen die Weindörfer von Barolo und Barbaresco. Ausgerechnet in diesem Weinland begann Italiens Bierkultur neu.
Den ältesten Faden spinnt Birra Menabrea in Biella, am Rand der Alpen. Die Brauerei beruft sich auf das Gründungsjahr 1846 und gilt als älteste noch aktive Brauerei Italiens. Nach ihrer Darstellung lockten Felsenkeller im Berg, in denen sich ein Lager kühl reifen lässt, die ersten Brauer an. Über Generationen blieb es ein untergäriges Bier für den Alltag.
Der zweite Faden ist jung. 1996 eröffnete Teo Musso, geboren 1964 in Carrù und aufgewachsen in Piozzo, dort sein Brewpub Le Baladin, also eine Gaststätte mit eigener Brauanlage. 1997 füllte er mit Isaac und Super die ersten beiden italienischen Craft-Biere in Flaschen. Proben schickte er an 500 Restaurants, die er in einem Slow-Food-Führer fand.
Slow Food, 1986 im nahen Bra entstanden, gab dem Bier die Bühne: Wer gutes Essen schätzte, sollte es auch im Glas finden. Aus dieser Nähe zu Küche und Weinbauern wuchs um das Jahr 2000 die Idee, Traubenmost ins Bier zu geben. Teo Mussos Perbacco mit Dolcetto-Most gilt als Vorläufer der Italian Grape Ale.
Das Wort „Italian Grape Ale“ nahm das Bewertungsregelwerk BJCP 2015 auf, es ist der erste Bierstil italienischer Herkunft. Einen EU-Herkunftsschutz trägt kein piemontesisches Bier, die Stilbezeichnung ist bloß Branchenkonvention. Neben den beiden großen Namen gibt es heute viele kleine Betriebe, oft von Winzern und Landwirten betrieben.