
Rum, Lager, Stout
Region & Geschichte
Welches Bier kommt aus Jamaika? Fast immer Red Stripe, gebraut in Kingston. Dabei war das Getränk der Kolonie lange der Rum. Seit der englischen Eroberung 1655 gehörte die Insel zum britischen Empire, und auf den Zuckerplantagen entstand im 17. Jahrhundert Rum aus Melasse, dem dunklen Sirup, der beim Zuckerkochen übrig bleibt. Die Arbeit auf den Feldern leisteten versklavte Menschen aus Afrika; die Sklaverei im Empire wurde in den 1830er Jahren abgeschafft.
Die Brauerei kam spät. 1918 schlossen Eugene Peter Desnoes und Thomas Hargreaves Geddes ihre beiden Geschäfte in Kingston zu Desnoes & Geddes zusammen. Zuerst stellte die Firma Limonaden her und handelte mit eingeführten alkoholischen Getränken, später folgte die Surrey Brewery in der Stadt.
1928 wurde das erste Red Stripe gebraut, zunächst als Ale, also als obergäriges Bier. Es war den Jamaikanern nach den vorliegenden Darstellungen zu schwer. Die Lagerversion, die später die Marke prägte, entwickelten 1938 Paul H. Geddes, ein Sohn des Firmengründers, und Bill Martindale. Der Dragon Stout kam nach Angaben des Unternehmens 1920 auf den Markt und wurde 1961 neu aufgelegt.
1958 zog die Produktion aus der Innenstadt an die Spanish Town Road, wo die Anlage größer werden konnte. Am 6. August 1962 wurde Jamaika unabhängig. 1971 erhielt Red Stripe die kurze, bauchige Flasche, die als Stubby bekannt ist.
Die Eigentümer wechselten. 1993 erwarb Guinness Brewing Worldwide, heute Diageo, 51 Prozent an Desnoes & Geddes. 2015 übernahm Heineken die Anteile von Diageo und kündigte ein Angebot für die übrigen Aktien an. Red Stripe ist damit eine Marke im Besitz eines Konzerns; einen geschützten Herkunftsnamen wie beim Kölsch trägt sie nicht.