
Brauhäuser am Pazifik
Region & Geschichte
Wie viele Brauereien gibt es in British Columbia? Der Verbund BC Ale Trail zählt mehr als 220 Craft-Brauereien, verteilt von Vancouver Island über das Fraser Valley bis ins Okanagan-Tal. Für eine Provinz im Westen Kanadas ist das erstaunlich viel, und fast alle davon sind jung. Ihre Geschichte beginnt erst in den frühen 1980er Jahren.
Den Anfang machte nach Überlieferung ein Wirtshaus: Der Brauer John Mitchell eröffnete im Juni 1982 im Troller Pub in Horseshoe Bay, am Rand von West Vancouver, ein Brauhaus mit eigener Anlage. Zwei Jahre später, am 16. Juni 1984, folgte in Victoria Spinnakers, gegründet vom Architekten Paul Hadfield und eben diesem Mitchell. Spinnakers gilt als erstes Brewpub Kanadas, also als Gasthaus, das sein Bier selbst braut und im Haus ausschenkt.
Ebenfalls 1984 entstand auf Granville Island in Vancouver die Granville Island Brewing, gegründet von Mitch Taylor. Die Brauerei bezeichnet sich als erste Mikrobrauerei Kanadas. Ihr Weg zeigt, wie sich die Branche wandelte: 1989 kaufte sie der Weinkonzern Andrew Peller, 2009 übernahm sie Creemore Springs, eine Tochter von Molson Coors. Heute gehört Granville Island also zu einem Großkonzern, und das gilt in der Craft-Szene als eigenes Thema.
Im Okanagan-Tal begann Okanagan Springs 1985. Tree Brewing in Kelowna nahm 1996 den Betrieb auf und war nach eigenen Angaben erst die sechzehnte Brauerei der ganzen Provinz. Seither ging es schnell: Fast jede Stadt hat inzwischen mindestens ein Brauhaus mit Probierraum.
Einen Herkunftsschutz für Bier aus British Columbia gibt es nicht, und auch das EU-Register führt kein kanadisches Bier. Was hier „Craft“ heißt, ist ein Selbstbild der kleinen Brauer, kein Rechtsbegriff.