
Regen, Schnee, Seen
Wasser & Boden
Woher kommt das Brauwasser in Vancouver? Die Stadt trinkt Wasser aus Stauseen in den Bergen der North Shore, aus den Einzugsgebieten Capilano, Seymour und Coquitlam. Dort fällt an der feuchten Pazifikküste viel Regen, und im Winter bleibt Schnee liegen. Das Wasser, das daraus entsteht, ist mineralarm und weich.
Weiches Wasser lässt Malz und Hopfen ungestört sprechen. Es bringt wenig Karbonat mit, das die Bittere stumpf machen würde, und passt deshalb gut zu hellen, hopfenbetonten Bieren. Wer das Aroma eines West Coast IPA trennscharf haben will, beginnt mit so einer Grundlage.
Verlass ist darauf allerdings nicht mehr. Fast alle Brauereien weltweit bereiten ihr Wasser heute auf, sie setzen Salze zu oder entfernen Härte, und auch in British Columbia ist das Wasser längst ein Teil des Rezepts. Dass der Boden den Stil macht, ist eine Geschichte von früher.
Die Landschaft prägt trotzdem die Brauorte. In Vancouver sitzen viele Brauereien in alten Lagerhäusern und Werkstätten, und Granville Island selbst war ein Industriegelände unter der Granville Bridge. Im Okanagan-Tal um Kelowna ist es ganz anders: trockenes, sonniges Binnenland, Obstgärten und der Okanagan Lake. Dort müssen Brauer im Sommer vor allem kühlen.
Lagerkeller im europäischen Sinn braucht man an der Küste kaum. Das Klima ist mild, und die meisten Biere sind Ales, die bei Zimmertemperatur vergoren werden. Edelstahltanks mit Kühlmantel ersetzen den Fels, in dem anderswo gelagert wurde.