
Fürsten & Bauernhöfe
Region & Geschichte
Was ist Kaimiškas alus? Das litauische Wort bedeutet Dorfbier oder Bauernbier und meint ein Farmhouse-Ale, wie es in Aukštaitija, dem „Oberlitauen“ im Norden und Osten des Landes, seit Generationen auf Höfen entsteht. Besonders dicht ist die Tradition rund um Biržai und Pasvalys, nicht weit von der lettischen Grenze.
Für Biržai nennt die Stadtgeschichte das Jahr 1682: Liudvika Karolina Radvilaitė aus dem Fürstenhaus der Radvilos bestätigte damals die Anweisung für eine Brauerei am Fluss, 1686 stand das erste Gebäude. Das Backsteinschloss der Familie war schon zwischen 1586 und 1589 gebaut worden. Im Krieg mit Schweden wurde die Brauerei 1704 zerstört und später wieder aufgebaut.
Auf dem Land brauten dagegen fast alle selbst. Jeder Hof hatte nach der Überlieferung sein eigenes Verfahren, und das gaben die Eltern nur an die Söhne weiter. Genau diese Hofbiere haben sich in der Gegend gehalten, ungefiltert und ohne Pasteurisierung, also ohne das Erhitzen, das Bier haltbar macht und die lebende Hefe tötet.
Seit dem 31. Oktober 2019 ist „Kaimiškas Jovarų alus“ in der EU als geschützte geografische Angabe eingetragen, kurz g.g.A. Geschützt ist dieser eine Name für das Bier einer Familie aus Jovarai bei Pasvalys, nicht das Wort Kaimiškas im Allgemeinen. Nach den Angaben im Antrag wird das Bier seit dem 16. Jahrhundert hergestellt, eine Hefe soll seit mehr als 130 Jahren in der Familie weitergegeben werden.
Größer ist die Brauerei Rinkuškiai bei Biržai, gegründet 1991. Nach eigenen Angaben braut sie rund fünf Millionen Liter im Jahr, ein Fünftel davon geht in den Export. Auch Su Puta gilt als Brauerei, die beim Hofstil geblieben ist.