
Grenze & Durst
Region & Geschichte
Wer in Tijuana ein Bier aus Baja California bestellt, trinkt Grenzgeschichte. Als die USA 1920 den Alkoholverkauf verboten, zogen durstige Amerikaner über die Linie nach Süden. Schon 1921 soll in Mexicali die Azteca Brewing Company entstanden sein, zwei Jahre später folgte die Cervecería Mexicali.
Eine zweite Linie führt nach Tecate. Dort übernahm Alberto Aldrete 1944 ein altes Backsteingebäude und braute Bier, zehn Jahre später kaufte die Cervecería Cuauhtémoc Moctezuma die Marke. Seit 2010 gehört dieser Konzern zu Heineken. Tecate gilt bis heute als das Bier der Grenzstadt, obwohl es in ganz Mexiko und in den USA getrunken wird.
Die kleine Bierszene ist viel jünger. Die Cervecería Tijuana öffnete im Jahr 2000 und gilt als Auslöser des Craft-Booms im Bundesstaat. Aus ihrem Umfeld gingen unter anderem Border Psycho, Mamut und Insurgentes hervor. 2003 folgte in Mexicali die Cervecería Cucapá, 2005 fand in Tijuana das erste Bierfestival statt, der TJ Beer Fest.
In Ensenada begann Agua Mala 2005 als erste Craft-Brauerei am Hafen. Die Cervecería Wendlandt eröffnete 2012 zunächst als Bar mitten in der Stadt und zog nach etwa acht Monaten in die Brauerei im Stadtteil El Sauzal. Gründer Eugenio Romero wollte das Bier nach Hause holen, das er als Student in den Craft-Bars jenseits der Grenze kennengelernt hatte.
Heute zählen mexikanische Medien mehr als 200 Craft-Brauereien in Baja California, so viele wie in keinem anderen Bundesstaat. Allein in Ensenada und in Mexicali gibt es jeweils über 30 Brauereien und Tap Rooms, also Schankräume direkt an der Brauerei. Eine geschützte Herkunftsangabe wie das Kölsch in der EU hat das Bier von hier nicht.