
Grätzer und Posen
Region & Geschichte
Woher kommt das Grodziskie? Aus Grodzisk Wielkopolski, einer Kleinstadt südwestlich von Posen in Großpolen, dem Kernland des mittelalterlichen polnischen Staates. Unter preußischer Verwaltung hieß der Ort Grätz, darum steht in älteren deutschen Quellen vom Grätzer Bier. Der polnische Name sagt es kürzer: Bier aus Grodzisk.
Schon 1601 gaben sich die Mälzer und Brauer der Stadt eine Ordnung, um Güte und Ruf ihres Bieres zu schützen. Danach musste der Bürgermeister gemeinsam mit den Ältesten des Rates das Bier probieren. Wer betrog, verlor für immer das Recht, es zu brauen.
Das Bier war leicht, klar und stark kohlensäurehaltig, und dafür bekam es den Beinamen „polnischer Champagner“. Nach polnischen Quellen ging es zu seiner besten Zeit in 37 Länder. 1922 wurden die Betriebe der Stadt zu den Zjednoczone Browary Grodziskie zusammengelegt, einer einzigen Gesellschaft.
Nach dem Zweiten Weltkrieg verstaatlichte der kommunistische Staat das Brauwesen. Der letzte Betrieb ging nach 1989 an Lech und wurde 1993 stillgelegt, nach polnischen Angaben, weil er sich nicht mehr rechnete. Das Bier war damit zum ersten Mal seit Jahrhunderten aus der Stadt verschwunden.
Zurück kam es von unten. 2011 rief der Verband der polnischen Heimbrauer das Projekt „Grodziskie Redivivus“ aus, um den Stil neu zu beschreiben, und 2015 öffnete nach 23 Jahren die Brauerei in Grodzisk wieder als Browar Grodzisk. Einen EU-Herkunftsschutz hat Grodziskie nicht. Nachbauten kommen deshalb auch von anderen polnischen Craft-Brauereien.