
Gold, Bierhallen, Shebeens
Region & Geschichte
Wie kam das Bier nach Johannesburg? Mit dem Gold. Als 1886 auf dem Witwatersrand Gold gefunden wurde, wuchs binnen weniger Jahre eine Stadt aus Zelten, Schächten und Wanderarbeitern heran. Charles Glass erkannte, dass die Minenarbeiter Durst hatten, und begann, ihnen Bier zu verkaufen. Aus seiner Castle Brewery ging 1895 die South African Breweries hervor, und Castle Lager aus Johannesburg gehört seither zu den bekanntesten Bieren des Landes. Die Marke liegt heute bei AB InBev, das SAB 2016 übernahm.
Mit den Arbeitern kam ihr eigenes Bier in die Stadt: Umqombothi, ein Bier aus Sorghum und Mais, das traditionell Frauen brauten und verkauften. Für viele Familien war es eine wichtige Einkommensquelle. Die weißen Stadtverwaltungen sahen darin bald etwas anderes, nämlich Einnahmen und Kontrolle.
Das sogenannte Durban-System machte daraus Politik. Ein Gesetz von 1908 in Natal erlaubte nur den Gemeinden, Bier für Afrikaner zu brauen und auszuschenken, das Brauen im eigenen Haus wurde verboten. Die Gewinne der städtischen Bierhallen flossen in Wohnheime, Verwaltung und Polizei, also auch in die Überwachung der Gäste. Das Modell fand später in anderen Städten Nachahmer. Der Widerstand ließ nicht auf sich warten: Im Juni 1959 protestierten in Durban rund 2.000 Frauen vor den Bierhallen gegen das Verbot des Heimbrauens.
Wo Verbote gelten, entstehen Ausweichorte. So wuchs die Shebeen-Kultur, Hausschenken in Wohnzimmern und Hinterhöfen, oft von Frauen geführt, den sogenannten Shebeen Queens. In Sophiatown und später in Soweto trafen sich dort Nachbarn, Musiker und Journalisten. 1962 durften Afrikaner erstmals gesetzlich überall Alkohol kaufen. Beim Aufstand von 1976 griffen Schüler in Soweto fast jede Bierhalle an, viele sahen in ihnen ein Werkzeug der Kontrolle. Heute teilen sich Konzerne, kleine Craft-Brauer und Hausbrauerinnen eine Geschichte, in der es keine einfachen Sieger gibt.