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Westvleteren: Warum ist das Bier so selten?

Bier auf Reservierung

Westvleteren: Warum ist das Bier so selten?

Westvleteren ist selten, weil die Abtei Sint-Sixtus nur so viel braut, wie die Gemeinschaft zum Leben braucht, und ihr Bier nur auf Reservierung direkt ab Kloster verkauft. Berühmt wurde es durch Bewertungsportale im Internet. Ob es das beste Bier der Welt ist, bleibt eine Frage des Geschmacks.

Wie kauft man Westvleteren?

Die Abtei Sint-Sixtus liegt im Westen Flanderns, zwischen Feldern nahe der französischen Grenze. Ihre Brauerei besteht seit 1838. Anders als die anderen Trappistenbrauereien verkauft sie fast nichts über den Handel. Wer das Bier kaufen will, muss es vorher reservieren und an der Abtei abholen.

Lange lief die Bestellung über ein Telefon, das zu bestimmten Zeiten kaum durchzukommen war. 2019 ersetzte die Abtei dieses Biertelefon durch ein Reservierungssystem auf ihrer Website. Die Mengen je Bestellung sind begrenzt, und zwischen zwei Bestellungen muss eine Sperrfrist liegen. Daneben schenkt das Café In de Vrede gegenüber der Abtei aus.

Weiterverkauf ist ausdrücklich unerwünscht. Die ITA beschreibt Westvleterens Weg so: Das Bier wird ohne Gewinnabsicht verkauft, und Kunden müssen vorab reservieren. Trotzdem tauchen Flaschen im Online-Handel auf, oft zu einem Vielfachen des Klosterpreises. Mit dem Gedanken hinter dem Verkauf hat das nichts mehr zu tun.

Warum braut die Abtei nicht einfach mehr?

Die Antwort liegt im dritten Kriterium der Trappisten. Der Erlös soll das Leben der Gemeinschaft und gute Zwecke tragen, nicht Wachstum finanzieren. Sint-Sixtus legt diesen Grundsatz besonders eng aus. Nach öffentlich verbreiteten Angaben liegt die Jahresmenge seit Jahrzehnten bei rund 4.750 Hektolitern.

Zum Vergleich: Das entspricht einem Bruchteil dessen, was eine mittelgroße deutsche Regionalbrauerei ausstößt. Mehr Bier würde mehr Personal, mehr Technik und mehr Verkehr bedeuten. Für eine Gemeinschaft, die vor allem schweigend beten will, wäre das ein Widerspruch.

Berichten zufolge kümmert sich nur eine Handvoll Mönche um die Brauerei, unterstützt von weltlichen Helfern bei Abfüllung und schwerer Arbeit. Eine Ausnahme machte die Abtei 2012. Für die Renovierung ihrer Gebäude gab sie Geschenkpakete mit sechs Flaschen des 12 und zwei Gläsern auch über den Handel ab. Danach kehrte sie zum gewohnten Verkauf ab Kloster zurück.

Woher kommt der Ruf als bestes Bier der Welt?

Im Juni 2005 setzte das US-Bewertungsportal RateBeer das Westvleteren 12 auf Platz eins seiner Gesamtliste. Medien weltweit griffen das auf, und der Andrang an der Abtei wuchs stark. Auch auf anderen Portalen landete das Bier über Jahre weit oben.

Solche Ranglisten entstehen aus den Wertungen vieler Nutzer. Sie sind keine Blindverkostung durch eine Jury, und wer ein schwer erhältliches Bier endlich im Glas hat, bewertet es selten nüchtern. Seltenheit erzeugt Erwartung. Das macht Westvleteren nicht schlechter, aber den Titel „bestes Bier der Welt“ zu einem Mythos, der mehr über Begehrlichkeit als über Geschmack sagt.

Fachlich ist das Westvleteren 12 ein sehr gelungenes dunkles belgisches Starkbier. Es zeigt Aromen von Trockenfrüchten, Karamell und dunklem Brot, dazu wärmenden Alkohol. Ähnlich gebaute Biere anderer Abteien und Brauereien spielen in derselben Liga und sind leichter zu bekommen.

Blond, 8 und 12: Was steckt in der Flasche?

Die Abtei braut drei Biere. Das Blond mit 5,8 % vol ist hell und hopfig-trocken. Das Westvleteren 8 mit 8 % vol entspricht einem kräftigen Dubbel. Das Westvleteren 12 mit 10,2 % vol fällt unter die dunklen belgischen Starkbiere, die oft Quadrupel genannt werden.

Jahrzehntelang trugen die Flaschen kein Etikett. Erkennbar waren die Sorten nur an der Farbe des Kronkorkens: grün für Blond, blau für 8, gelb für 12. Nach Medienberichten führte die Abtei 2022 erstmals Etiketten ein. Alle drei Biere gären in der Flasche nach und bilden einen Hefebodensatz, der beim Einschenken in der Flasche bleiben sollte.

Getrunken werden die Biere am besten nicht zu kalt und aus einem Kelchglas. Das 12 entfaltet bei etwa zwölf Grad seine Fruchtaromen. Wer kein Westvleteren bekommt, verpasst keinen eigenen Stil. Dunkle Starkbiere anderer Trappisten und Abteien bieten ein ähnliches Erlebnis, und der Vergleich mehrerer Flaschen lehrt mehr als die Jagd nach einer einzigen.

Kurz unterschieden

Westvleteren 12
Dunkles belgisches Starkbier der Abtei Sint-Sixtus mit 10,2 % vol. Gelber Kronkorken, nur auf Reservierung ab Kloster.
Westvleteren 8
Dubbel-artiges Bier mit 8 % vol und blauem Kronkorken. Leichter und weniger alkoholisch als das 12.
Quadrupel
Gängiger Name für dunkle belgische Starkbiere ab etwa 8 % vol. Kein geschützter Begriff und keine Herkunftsangabe.

Dazu im Lexikon

Blind verkosten und bewertenStarkbier zum Essen
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