
Ackerland & Kohle
Region & Geschichte
Nordmähren ist Bierland zwischen Getreideebene und Kohlerevier. Im Osten Tschechiens liegen die fruchtbare Haná rund um Olomouc (Olmütz), die Beskiden mit der Radegast-Brauerei und die Industriestadt Ostrava (Ostrau).
Gebraut wird hier seit Langem. Litovel beruft sich auf ein Braurecht, das König Wenzel II. der Stadt 1291 verliehen haben soll. 1770 entstand dort eine Gemeinschaftsbrauerei mit Mälzerei, die ein Jahrhundert lang lief.
Den Ausschlag gab die Gerste. Einer Zählung zufolge standen 1880 in der Haná 70 von 99 Exportmälzereien Österreich-Ungarns, und „Haná“ galt als Gütezeichen für Malz. Auf diesem Boden gründeten tschechische Bauern am 12. November 1893 in Litovel eine Aktienbrauerei mit eigener Mälzerei. Zur Zeit der Ersten Republik hieß ihr Bier „das mährische Pilsen“.
In Ostrava entstand 1897 eine tschechische Aktienbrauerei als Gegenstück zur deutschen Strassmann-Brauerei, der erste Sud lief 1898. Sie ist die Vorgängerin der heutigen Ostravar-Brauerei, die 1997 nach einer Fusion mit den Pražské pivovary, den Prager Brauereien, zum Staropramen-Verbund kam und bis heute in der Stadt braut.
Das jüngste große Werk steht in Nošovice. Der Grundstein wurde 1965 gelegt, der erste Sud lief am 3. Dezember 1970, und ein Jahr später bekam das Bier den Namen Radegast, nach dem slawischen Gott von Sonne, Feuer und Gastfreundschaft. Es sollte das Industrierevier ringsum versorgen und gehört heute zu Plzeňský Prazdroj und damit zum Asahi-Konzern.
Einen eigenen Herkunftsschutz hat Nordmähren nicht. Sein Bier fällt unter die g.g.A. „České pivo“ von 2008. Litovel gehört seit dem 1. Oktober 2021 zur Pivovary CZ Group, ebenso wie Přerov und Holba in Hanušovice, wo seit 1874 gebraut wird.