
Porter & Berggeist
Region & Geschichte
Ostböhmen, das Land zwischen Elbe und Riesengebirge, ist nicht für Pils berühmt. Dafür stehen hier Brauereien, die im Schatten von Pilsen und Budweis eigene Wege gegangen sind: ein schwarzer Porter in Pardubice, ein Weizenbier in Náchod und ein Dunkles in Trutnov.
Das Brauen ist älter als die Fabriken. Trutnov, auf Deutsch Trautenau, erhielt nach Angaben der Brauerei 1260 das Braurecht. Zunächst braute jedes berechtigte Haus der Reihe nach für sich, bis sich die Bürger 1582 zu einer gemeinsamen Brauerei zusammentaten. Sie heißt heute Pivovar Krakonoš, nach dem Berggeist, den die Deutschen Rübezahl nennen.
In Pardubice kaufte 1491 der mährische Adlige Vilém z Pernštejna die Stadt und führte, so die Überlieferung, rund zehn Jahre später das Brauen ein. Die heutige Brauerei setzte am 8. April 1871 ihren ersten Sud an. Ihre Marke Pernštejn erinnert an das Adelshaus, das die Stadt einst prägte.
In Náchod wird schon 1448 ein Malzhaus erwähnt. Die Brauerei Primátor entstand 1872, und ein Jahr später liefen die ersten 17 Sude mit 10 und 11 Grad vom Kessel. Der Grad gibt die Stammwürze an, also den Anteil gelöster Stoffe in der Würze vor der Gärung.
Im Süden des Gebiets, in Humpolec auf der Böhmisch-Mährischen Höhe, steht die Brauerei Bernard. Sie beruft sich auf das Jahr 1597 und wurde 1991 von Stanislav Bernard, Josef Vávra und Rudolf Šmejkal ersteigert. Die Hälfte der Anteile hält inzwischen die belgische Brauerei Duvel Moortgat.
Einen eigenen EU-Herkunftsschutz hat Ostböhmen nicht. Weder Pardubický porter noch Krakonoš oder Primátor stehen im Register der geschützten Bierbezeichnungen. Wer das Bier trinkt, hält sich daher an die Brauerei und ihr Rezept, nicht an eine Herkunftsregel.