
Steinbruch und Lager
Region & Geschichte
Das ungarische Lagerbier stammt aus Kőbánya, dem zehnten Budapester Bezirk, dessen Name auf Deutsch „Steinbruch“ bedeutet. Bis 1890 wurde dort Kalkstein gebrochen, aus dem unter anderem das Parlament und die Staatsoper entstanden. Zurück blieben Stollen, die sich unter dem Bezirk weit verzweigen.
In diesen Stollen ließ ab 1844 eine Brauerei Bier lagern. Der Braumeister Peter Schmidt, ein Pester, der in München gelernt hatte, hatte mit dem Bier aus seinem Felsenkeller großen Erfolg. 1854 gründete er die Kőbányai Serfőző Társaság, die Kőbányaer Braugesellschaft.
1862 kaufte Anton Dreher das Brauhaus. Der Brauer aus Schwechat bei Wien gilt als Schöpfer des Wiener Lagers, und sein Name wurde in Budapest zur Marke. Sein Sohn Anton Dreher der Jüngere übernahm 1870 die Leitung und machte Kőbánya zur größten Brauerei Ungarns, die um 1890 etwa 1,2 Millionen Hektoliter im Jahr braute.
Nach Zukäufen von Jenő Dreher kontrollierten die Dreher-Brauereien in den 1920er Jahren rund 70 Prozent des ungarischen Biermarkts. Das Unternehmen überstand den Sozialismus und gehörte seit 1993 zu South African Breweries, seit 2002 zu SABMiller. Als AB InBev 2016 SABMiller übernahm, musste Dreher auf Auflage der Behörden verkauft werden, und Ende 2016 ging die Brauerei an den japanischen Konzern Asahi.
Einen EU-Herkunftsschutz für ungarisches Bier gibt es nicht, im Register stehen nur Biere anderer Länder. Den Markt teilen sich heute wenige große Namen: Dreher gehört zu Asahi, Soproni zu Heineken, Borsodi zu Molson Coors. Daneben entstanden kleine Craft-Brauereien, von denen ein Fachbericht 2017 landesweit rund siebzig zählte.