
Rhein, Kanal, Prohibition
Region & Geschichte
Wer wissen will, wie Cincinnati zur Bierstadt wurde, geht nach Over-the-Rhine, wenige Straßenzüge nördlich des Ohio River. Deutsche Einwanderer ließen sich hier seit den 1830er-Jahren nieder. Der Kanal, der das Viertel von der Innenstadt trennte, hieß im Volksmund „der Rhein“, und aus „über dem Rhein“ wurde der Name des Viertels.
1836 gab es in Cincinnati zehn Brauereien, 1860 zählte das Cincinnati Museum Center schon 36. Gegen Ende des Jahrhunderts stammten schätzungsweise 60 Prozent der Einwohner aus deutschen Familien, und vor 1920 eröffneten insgesamt fast hundert Betriebe. Um 1890 nannte sich die Stadt selbst „Beer Capital of the World“.
Einer dieser Brauer war Christian Moerlein. Er war 1841 aus Bayern ausgewandert, hatte zunächst als Schmied gearbeitet und gründete 1853 an der Ecke Elm und Henry Street seine Brauerei. Vor der Prohibition zählte sie nach Menge zu den zehn größten der USA. 1919 schloss sie.
Die Prohibition von 1920 bis 1933 beendete die meisten Betriebe. Hudepohl, 1885 gegründet, überstand sie als eine von vier Brauereien der Stadt, indem sie alkoholarmes Bier und Limonade herstellte. Nach 1933 liefen Hudepohl, Burger und Schoenling weiter, bis sich Hudepohl und Schoenling 1986 zusammenschlossen.
Den Namen Moerlein holte Hudepohl 1981 mit dem Christian Moerlein Select Lager zurück. 2004 kaufte der Geschäftsmann Greg Hardman Namen und Rezepte mehrerer historischer Cincinnati-Marken. 2011 öffnete das Moerlein Lager House am Ohio, 2013 die Brauerei im früheren Kauffman-Gebäude. Am 29. Juni 2013 eröffnete Rhinegeist, der Name bedeutet „Geist des Rheins“.
Im Norden des Staates begann der Neuanfang 1988. Die Brüder Patrick und Daniel Conway gründeten in Cleveland Great Lakes, das erste Brewpub und die erste Mikrobrauerei Ohios. Einen EU-Herkunftsschutz für Bier aus Ohio gibt es nicht.