
Goldrausch & Anchor
Region & Geschichte
Wer wissen will, was Steam Beer ist, muss ins Jahr 1849 zurück. Mit dem Goldrausch wuchs San Francisco in wenigen Jahren vom Dorf zur Hafenstadt, und die vielen Männer an den Docks wollten Bier. Eis und Kühlung fehlten fast völlig.
Die Brauer behalfen sich mit Lagerhefe, die sie bei warmen Temperaturen arbeiten ließen. Heraus kam ein lebhaft sprudelndes Bier, das beim Anstich zischte. Woher der Name Steam kommt, ist nicht geklärt: Die einen erzählen vom Zischen der Fässer, die anderen von Dampf, der von den Kühlschiffen auf den Dächern aufstieg.
Eine Brauerei dieser Zeit überlebte bis heute, wenn auch mit Unterbrechung: Anchor Brewing. Ihre Wurzeln reichen nach Angaben der Brauerei bis 1871 zurück. Den Namen Anchor bekam sie 1896, als die deutschen Brauer Ernst Baruth und Otto Schinkel sie übernahmen.
Um 1965 stand der Betrieb vor dem Aus. Der Unternehmer Fritz Maytag kaufte damals die Mehrheit und übernahm die Brauerei 1969 ganz. 1979 zog Anchor in eine frühere Kaffeerösterei in der Mariposa Street auf Potrero Hill. Maytag gilt vielen als Wegbereiter der amerikanischen Craft-Bewegung.
Einen eigenen Weg ging Jack McAuliffe. Er gründete 1976 in Sonoma, rund 70 Kilometer nördlich, die New Albion Brewing Company, die als erste Mikrobrauerei der Neuzeit in den USA gilt. 1982 schloss sie. Die Boston Beer Company braute New Albion Ale 2012 unter McAuliffes Aufsicht neu.
Von 2017 an gehörte Anchor dem japanischen Konzern Sapporo, der den Braubetrieb im Juli 2023 einstellte. Im Mai 2024 kaufte der Chobani-Gründer Hamdi Ulukaya Anchor. Einen offiziellen Termin für die Wiedereröffnung gibt es Stand Oktober 2026 nicht; im Juli 2026 wurden zwei Etiketten genehmigt. Einen EU-Herkunftsschutz kennt Steam Beer nicht, der Name gilt als Marke von Anchor.