
Schmelzwasser aus Granit
Wasser & Boden
Das Brauwasser der Stadt kommt nicht aus der Bucht, sondern aus den Bergen. Aus dem Hetch Hetchy Reservoir im Yosemite-Nationalpark fließt Schmelzwasser der Sierra Nevada über Leitungen bis nach San Francisco. Seit den 1930er-Jahren versorgt sich die Stadt zu großen Teilen daraus.
Das Wasser sammelt sich in einem Tal aus Granit. Gestein dieser Art gibt kaum Mineralien ab, deshalb ist das Wasser sehr weich. Für Brauer heißt das: Wenig Kalk und Sulfat, die Bittere bleibt rund, und Malz und Hopfen schmecken ohne harte Kanten durch.
Weiches Wasser gibt dem Brauer viel Freiheit. Wer ein kräftiges West-Coast-IPA will, kann Salze zusetzen und die Bittere schärfen. Wer wie beim California Common ein mildes, runderes Bier sucht, braucht kaum etwas zu ändern. Anchor Brewing nutzte nach Darstellungen aus der Brauereigeschichte das städtische Wasser.
Der Boden spielt in dieser Region eine kleinere Rolle als das Klima. Die Bucht liegt oft im Nebel, die Sommer sind kühl, und die Luft kühlt schnell ab. Im Goldrausch stellten die Brauer ihre flachen Schalen deshalb aufs Dach, wo die kalte Bucht-Luft die Würze herunterkühlte, bevor es Maschinen dafür gab.
Keller im europäischen Sinn gibt es hier kaum. Die Lagerung ist Sache der Tanks in Hallen, etwa an der Mariposa Street auf Potrero Hill. Auf dem Wasser aus Hetch Hetchy beruht dafür eine ganze Reihe junger Brauereien in der Stadt, die alle aus demselben weichen Ausgangswasser ihr eigenes Profil bauen.