
Rainier & Redhook
Region & Geschichte
Wer wissen will, wie Seattle zu seinem Bier kam, fährt nach Georgetown, in den Süden der Stadt. Auf dem Gelände dort wird seit 1878 gebraut, und 1884 gründete Edward Sweeney die Claussen-Sweeney Brewing Company, aus der die Marke Rainier wurde. Der Name erinnert an den Vulkan Mount Rainier, der an klaren Tagen über der Stadt steht.
Schon 1916 verbot der Bundesstaat Washington den Alkohol, vier Jahre vor der Prohibition im ganzen Land. Die Marke Rainier ging an eine Firma in San Francisco. Nach dem Ende des Verbots kauften die aus Alberta stammenden Brüder Fritz und Emil Sick eine Brauerei im Stadtteil Bay View und holten die Marke zurück, ab 1935 wurde wieder Rainier gebraut. 1954 leuchtete über dem Werk in Georgetown das große Neon-R, das die Skyline lange prägte.
Danach wechselte der Besitzer mehrfach. 1999 verkaufte Stroh die Marke an Pabst, und das Werk in Georgetown wurde geschlossen. Seattle hatte damit keine große Stadtbrauerei mehr, und genau diese Lücke füllten die Brauer der nächsten Generation.
Den Anfang machten 1981 Paul Shipman und Gordon Bowker, der zuvor Starbucks mitgegründet hatte. Ihre Redhook Ale Brewery zog in eine frühere Getriebewerkstatt in Ballard, das erste Bier wurde am 11. August 1982 im Restaurant Jake O’Shaughnessy’s ausgeschenkt. Braumeister war Charlie McElevey, der zuvor bei Rainier gearbeitet hatte. 1987 folgte in Fremont der Pub Trolleyman in einer alten Straßenbahnhalle.
Heute gehört vieles von diesem Erbe einem Konzern. Anheuser-Busch kaufte 2015 Elysian samt Brauerei und vier Brewpubs, 2020 übernahm AB InBev die Craft Brew Alliance, zu der Redhook gehörte. 2025 schloss der letzte Redhook-Ausschank in Seattle. Pyramid, 1996 von Kalama nach Seattle gezogen, machte 2020 zu. Die Washington Brewers Guild zählte 2023 dennoch 426 Brauereien im Bundesstaat. Einen EU-Herkunftsschutz gibt es für kein Bier aus Seattle.