
Hommel bis Habeco
Region & Geschichte
Am späten Nachmittag stellen die Wirte in der Altstadt von Hà Nội Plastikhocker auf den Gehweg, und aus Edelstahlfässern läuft helles, leichtes Bier in dicke Gläser. Das ist Bia hơi, was meist mit „frisches Bier“ übersetzt wird. Man findet es vor allem im Norden Vietnams, an Straßenecken und in kleinen Lokalen, und Hà Nội ist seine Heimatstadt.
Die Geschichte der Stadtbrauerei beginnt 1890. Damals entstand in Hà Nội die Hommel-Brauerei, die nach gängiger Darstellung von Franzosen gegründet wurde und als erste Brauerei der Stadt gilt. Vietnam gehörte zur französischen Kolonie Indochina, Bier trank dort zunächst vor allem die europäische Oberschicht.
Nach dem Abzug der Franzosen in den 1950er Jahren übernahm der Staat den Betrieb. Er hieß nun Hanoi Brewery, und 1958 kam das erste Bier der Marke Trúc Bạch auf den Markt. Aus dieser Zeit stammt auch die Idee, ein leichtes Bier nicht mehr zu pasteurisieren, das heißt nicht mehr zur Haltbarkeit zu erhitzen, sondern es täglich zu brauen und in wiederverwendbaren Metallfässern auszuliefern.
Die Firma wechselte mehrfach den Namen. 1993 hieß sie Hanoi Beer Company, 2003 entstand daraus die Hanoi Beer Alcohol and Beverage Joint Stock Corporation, kurz Habeco. Sie gehört mehrheitlich dem vietnamesischen Staat und untersteht dem Ministerium für Industrie und Handel. Der dänische Konzern Carlsberg ist seit dem Börsengang 2008 als strategischer Partner mit einem Minderheitsanteil beteiligt. Habeco gilt als drittgrößter Bierkonzern Vietnams.
Anders als Kölsch hat Bia hơi keinen Herkunftsschutz der EU, und eine feste Rezeptur gibt es ebenfalls nicht. Frisch bedeutet in der Praxis, dass das Fass am selben Tag geliefert wird.