
Dry Martini Varianten
Martini
Kein Gin-Cocktail steht so sehr für Klarheit und Stil wie der Dry Martini. Nur Gin, Wermut und ein Hauch Eis, gerührt statt geschüttelt — und trotzdem gehen die Meinungen über das richtige Verhältnis und den richtigen Namen bis heute auseinander.
Woher stammt der Dry Martini?
Die genaue Herkunft des Martini bleibt bis heute umstritten, was für einen so berühmten Cocktail ungewöhnlich ist. Eine verbreitete Erklärung führt ihn auf den Martinez zurück, einen süßeren Cocktail aus Gin und Wermut, der im späten 19. Jahrhundert an der amerikanischen Westküste getrunken wurde und sich über die Jahrzehnte zu einer trockeneren, klareren Form wandelte.
Andere Erklärungen verweisen auf die italienische Wermutmarke Martini oder auf einen Barkeeper, der den Drink in einem New Yorker Hotel serviert haben soll. Sicher ist nur, dass sich der Name im frühen 20. Jahrhundert durchsetzte und der Cocktail über das ganze Jahrhundert hinweg immer trockener wurde, weil der Wermutanteil gegenüber dem Gin schrittweise zurückgenommen wurde.
Was macht einen Martini trocken?
Trocken bezieht sich beim Martini auf den Wermutanteil: Je weniger Wermut im Verhältnis zum Gin verwendet wird, desto trockener gilt der Cocktail. Ein sehr trockener Martini enthält nur eine minimale Menge Wermut, manchmal kaum mehr als eine Ahnung davon, während frühere Rezepturen deutlich mehr Wermut vorsahen und dadurch runder und weicher schmeckten.
Gerührt statt geschüttelt wird der Martini traditionell deshalb, weil Rühren das Getränk kühlt und leicht verdünnt, ohne Luft einzuschlagen oder Eissplitter im Glas zu hinterlassen. Serviert wird er meist im klassischen, spitz zulaufenden Martiniglas, garniert entweder mit einer Olive oder einer Zitronenzeste, je nach persönlicher Vorliebe.
Welche Martini-Varianten gibt es?
Aus dem klassischen Gin-Martini entwickelten sich zahlreiche Varianten. Der Wodka-Martini ersetzt den Gin durch Wodka und wurde vor allem durch Popkultur bekannt, während der Dirty Martini mit etwas Olivenlake versetzt wird, was ihm eine salzige, leicht trübe Note verleiht. Der Gibson wiederum wird nicht mit Olive, sondern mit einer eingelegten Perlzwiebel garniert.
Der Vesper verbindet Gin und Wodka mit einem aromatisierten Wermut-Wein und wurde durch eine literarische Figur bekannt gemacht, die den Drink in einer bestimmten, sehr genauen Art zubereiten ließ. All diese Varianten teilen die Grundidee des Martini: wenige, hochwertige Zutaten, klar abgestimmt und ohne ablenkende Zusätze serviert.
Welcher Gin passt am besten in den Martini?
Ein klassischer, wacholderbetonter London-Dry-Gin gilt als sichere Wahl, weil er auch im sehr trockenen Martini genug Charakter behält und nicht in Wermut und Kälte untergeht. Gerade bei geringem Wermutanteil zählt jede Nuance des Gins doppelt, weshalb viele Barkeeper hier auf besonders klare, präzise gebrannte Gins setzen.
Blumigere oder stärker zitrusbetonte Gins können den Martini in eine andere Richtung lenken und wirken dann eher wie eine eigenständige Variante als wie ein klassischer Martini. Wer experimentieren möchte, sollte zunächst mit wenig Wermut beginnen und die Menge langsam steigern, bis das persönlich passende Verhältnis gefunden ist. Auch die Temperatur des Gins beeinflusst das Ergebnis: Ein gut gekühlter Gin verlangsamt die Verdünnung durch das Eis beim Rühren und hält den Martini länger klar und kalt. Manche Bars lagern den Gin deshalb dauerhaft im Gefrierfach, um jederzeit einen besonders kalten, wenig verwässerten Martini servieren zu können. Die Rührzeit selbst beeinflusst das Ergebnis ebenfalls: Wer zu kurz rührt, bekommt einen zu wenig verdünnten, fast öligen Martini, während zu langes Rühren die Aromen von Gin und Wermut spürbar verwässert. Erfahrene Barkeeper rühren deshalb mit ruhiger, gleichmäßiger Bewegung über eine feste Zeitspanne, statt die Dauer jedes Mal neu zu schätzen.