
Meist ohne Fass
Fass & Klima
Der bekannteste Rum der Insel sieht nie ein Fass. River Antoine füllt nach Berichten aus der Fachpresse keinen gereiften Rum ab, und wer ihn kauft, bekommt ein glasklares Destillat. Das ist für die Reputation von Grenada kein Mangel, sondern eine Haltung: Der Rohrsaft soll im Glas schmecken, nicht das Holz.
Wer Rum in den Tropen reift, kennt die Rechnung. Wärme und Feuchtigkeit treiben den Rum tief ins Holz, und Tag und Nacht dehnen und ziehen das Fass zusammen. Dabei verdunstet viel. In tropischen Lagern geht ein Vielfaches dessen verloren, was in Schottland verschwindet, oft um die acht Prozent im Jahr. Dieser Verlust heißt Angel's Share, der Anteil der Engel.
Dafür reift der Rum schneller. Die Rechnung, ein Tropenjahr zähle wie drei europäische Jahre, ist bekannt, stimmt chemisch aber nicht eins zu eins. Holzaromen wie Vanille und Röstnoten kommen rasch, die ruhige Tiefe eines lange gelagerten Rums braucht trotzdem Zeit.
Westerhall lagert den gemischten Rum nach Berichten der Fachpresse vor Ort in Fässern und füllt ihn auch dort ab. Die Fassherkunft und die Dauer geben die Häuser nicht einheitlich an, deshalb gibt es auf Grenada keine feste Linie wie die Martiniquer Stufen VO, VSOP und XO.
Für Flaschen, die in der EU verkauft werden, gilt eine einfache Regel zur Altersangabe. Sie darf nur dann auf dem Etikett stehen, wenn sie sich auf den jüngsten Rum in der Mischung bezieht und die Reifung unter Steuerkontrolle stattfand. Wer also eine Zahl auf einer Flasche liest, sollte nach dem jüngsten Anteil fragen und nicht nach dem ältesten. Mehr zu diesem Recht steht im Beitrag zur Altersangabe.