
Rumshop und Jerk
Essen & Trinkkultur
Was ist ein Rumshop, und was hat Jerk damit zu tun? Auf Jamaika ist der Rumshop die Straßenecke, an der Rum und Gespräche ausgegeben werden. Nach einer Schätzung der Fachpresse entfallen rund 90 Prozent der auf der Insel verkauften Rums auf Wray & Nephew White Overproof.
Der bekannteste Mix heißt Wray & Ting. Ting ist eine jamaikanische Grapefruit-Limonade, deren Bitterkeit und Kohlensäure dem Overproof die Schärfe nehmen. Auch Rum & Ting oder Ting with a Sting sagt man dazu.
Overproof dient auf Jamaika außerdem als Hausmittel. Berichten zufolge nutzt man ihn bei Erkältungen und in Ritualen, etwa bei Totenwachen. Gießt man ihn auf das Fundament eines neuen Hauses, soll er böse Geister, die „Duppies“, fernhalten. Das ist Brauch und Glaube, keine Gebrauchsanleitung.
Zum Rum gehört Jerk, mariniertes Fleisch, das über Holz gegart wird. Der Überlieferung nach geht das Verfahren auf die Maroons zurück, entflohene Versklavte, die im 17. Jahrhundert in die Berge im Osten der Insel zogen. Sie garten Wildschwein in Erdgruben und nutzten Pimentholz, dessen Rauch das Fleisch würzt.
Als Hochburg gilt Boston Beach im Parish Portland. Dort wird Jerk bis heute am offenen Feuer zubereitet. Die Würze entsteht aus Pimentholz, Salz und scharfer Chili.
Warum passt Rum dazu? Der Rauch, die Schärfe und das Fett des Fleisches brauchen ein Getränk mit Kraft, aber auch mit Säure. Overproof mit Ting liefert beides: Stärke, die gegen die Würze besteht, und Bitterkeit, die den Gaumen wieder aufräumt.