
Stärke mit Frucht
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Wie schmeckt White Overproof aus Jamaika? Zuerst nach Alkohol, denn bei 63 Prozent betäubt er die Nase schnell. Dahinter kommt, wenn man sich Zeit lässt, überreife Frucht mit einer funkigen Note, wie sie die Pot Still liefert.
Als Beispiel dient Wray & Nephew White Overproof, der auf Jamaika Alltagsware und zugleich Maßstab ist. Für den Vergleich passt Rum Fire von Hampden Estate, ein Rum aus dem Pot-Still-Haus in Trelawny. Als Gegenprobe taugt Pusser's, ein Navy-Verschnitt von Tortola.
Am besten eignet sich ein Nosing-Glas oder ein Tulpenglas mit schmaler Öffnung. Der Rum steht zimmerwarm im Glas, etwa bei 18 bis 20 Grad. Wer die Nase hineinhält, hält sie zunächst eine Handbreit über den Rand.
Bei dieser Stärke hilft Wasser. Ein paar Tropfen öffnen den Duft, und die Schärfe lässt nach. Pur gelingt das Probieren nur in sehr kleinen Schlucken.
Wer die Gläser nebeneinander stellt, merkt, wie unterschiedlich Stärke wirkt. Der Abstand von sechs Prozentpunkten zwischen 57 und 63 Prozent ist auf der Zunge deutlich zu spüren. Beim Overproof lohnt es sich, erst am Glas zu riechen und den ersten Schluck klein zu halten, damit die Frucht nicht unter der Schärfe verschwindet. Kurze Notizen helfen, den Eindruck später zu vergleichen.
Wer mehrere Rums vergleicht, beginnt mit dem schwächsten. Der Navy-Verschnitt mit seinen rund 57 Prozent kommt also vor dem Overproof, und zwischen den Gläsern steht Wasser zum Neutralisieren.