
Hafen, Navy, Taverne
Region & Geschichte
Woher hatte die Royal Navy ihren Rum? Die Spur führt nach Port Royal, einer schmalen Landzunge vor der Bucht von Kingston. 1655 nahmen englische Schiffe unter Vizeadmiral William Penn Jamaika den Spaniern ab, und die Seeleute fanden eine Insel, auf der längst Rum gebrannt wurde.
Rum hielt sich an Bord besser als Bier. Nach und nach ersetzte er deshalb Bier und Brandy, zunächst ohne offiziellen Befehl. Im 18. Jahrhundert wurde daraus die feste Ration, und 1740 ordnete Admiral Edward Vernon an, sie mit Wasser zu verdünnen. Das Gemisch heißt Grog. Die letzte Ration gab die Navy am 31. Juli 1970 aus, der Tag ging als „Black Tot Day“ in die Geschichte ein.
Port Royal war im 17. Jahrhundert Heimathafen englischer Kaperfahrer und eine der reichsten Hafenstädte Amerikas. Was darüber als Piratengeschichte erzählt wird, ist zu großen Teilen Folklore. Am 7. Juni 1692 zerstörte ein Erdbeben der Stärke 7,5 den Großteil der Stadt, er versank im Meer. Etwa 2 000 Menschen starben sofort, in den Tagen danach rund 3 000 weitere an Verletzungen und Krankheit. Gegenüber, am Nordufer der Bucht, wuchs Kingston zur neuen Hafenstadt heran.
Über diese Häfen liefen Zucker und Rum nach Europa aus, ebenso der Handel mit versklavten Menschen, die man auf die Insel verschleppte. Zucker und Melasse Jamaikas beruhten auf der Arbeit Versklavter.
Im 19. Jahrhundert führte John Wray in Kingston eine Taverne, die Shakespeare Tavern. Sein Neffe Charles James Ward stieg später ein, so entstand J. Wray & Nephew. Die Firma mit Sitz in Kingston gehört seit 2012 zum italienischen Campari-Konzern.
Die Brennereien der Insel sind in der Spirits Pool Association zusammengeschlossen. Ihre Wurzeln reichen ins Jahr 1931: Damals beschloss die Vereinigung der Zuckerhersteller, einen Rum Pool vorzubereiten, und wollte per Gesetz erreichen, dass kein Hersteller in der Ernte 1932 mehr als die Hälfte seiner durchschnittlichen Erzeugung brennt.