
Kühle Insel
Boden & Klima
Wer wissen will, warum Winzer vom Festland nach Tasmanien schauen, muss auf die Karte sehen. Die Insel liegt jenseits der Bass Strait, des Meeresarms zwischen ihr und dem Festland, und damit weit im Süden Australiens. Dort reifen Trauben langsam, und genau das braucht ein Grundwein für Schaumwein: Zucker, der nicht davonläuft, und Säure, die bleibt.
Säure ist beim Schaumwein kein Nebenaspekt. Sie hält den Wein frisch, wenn später die Dosage dazukommt, und sie trägt ihn durch lange Jahre auf der Hefe. Nach Einschätzung von Weinkritikern ist der größte Teil des australischen Festlands zu warm, um Grundweine mit dieser natürlichen Säure zu erzeugen. Deshalb suchen Schaumweinhäuser sie auf der Insel.
Die Schaumweinbetriebe konzentrieren sich im Nordosten, nicht weit von der Küste an der Bass Strait. Clover Hill steht auf dem Gelände einer früheren Milchfarm, die Reben wachsen dort also auf altem Weideland. Die Weinwirtschaft der Insel nennt sieben Gebiete: Tamar Valley, Pipers River, East Coast, Coal River Valley, Derwent Valley, Huon Valley mit Channel und den Nordwesten. Das sind Ortsangaben, keine amtlichen Unterherkünfte.
Für Schaumwein bedeutet das einen Grundwein, der früh gelesen wird und dennoch reife Aromen mitbringt. Wärmere Regionen müssen dagegen oft sehr früh lesen, um Säure zu retten, und nehmen dabei unreife, grüne Noten in Kauf. Wie die Böden im Einzelnen aufgebaut sind, beschreiben die Häuser kaum. Sie sprechen lieber über die Parzelle, über die Rebsorte und darüber, wann der Wein auf der Hefe lag.
Für den Leser heißt das: Tasmanischer Schaumwein ist eher ein Klimawein als ein Bodenwein. Wer ihn mit Champagner vergleicht, vergleicht zwei kühle Standorte mit sehr verschiedener Geschichte, aber derselben Absicht.