
Löss und Kalk
Boden & Klima
Rheinhessen liegt am linken Rheinufer in einem Dreieck zwischen Mainz, Worms und Bingen. Es zählt zu den trockensten und wärmsten Gegenden Deutschlands. Wo es warm ist, reifen Trauben schnell, und die Säure sinkt. Wer hier Sekt machen will, liest deshalb früher als für den Stillwein, damit der Grundwein frisch bleibt.
Der Boden wechselt von Hügel zu Hügel. Löss, Lehm und Kalk liegen oft dicht beieinander. Am Rhein bei Nierstein und Nackenheim kommt rotes Rotliegendes dazu, ein altes Gestein, nach dem der Rote Hang seinen Namen trägt. Löss und Lehm geben meist weichere Weine, Kalk häufig straffere. Ein Kellermeister, der Partien aus verschiedenen Böden mischt, hat damit mehr Farben auf der Palette.
Das Land ist ein weites Hügelland, kein Steilhang wie an der Mosel. Maschinen kommen fast überall hin, und doch gibt es für den Sekt eine Grenze der Technik. Wer Crémant auf das Etikett schreiben will, muss die Trauben von Hand lesen. Auch viele Winzersektmacher lesen ihre Pinot-Trauben aus Überzeugung in kleinen Kisten, weil unversehrte Beeren weniger Farbe und Bitterstoffe abgeben.
Unter Mainz kommt eine ganz andere Seite des Bodens ins Spiel. Auf dem Kästrich liegen die Kupferberg-Keller, nach Angaben des Hauses mit Funden aus römischer Zeit und Gärkellern aus dem Mittelalter. Tief im Berg bleibt es das ganze Jahr über kühl und gleichmäßig, und genau das brauchen Flaschen, die langsam auf ihrer Hefe reifen sollen.
Säure ist beim Sekt das Gerüst. Sie hält die Dosage im Gleichgewicht und trägt den Wein durch die lange Reife. Rheinhessen liefert sie weniger durch Kälte als durch den Zeitpunkt der Lese: Wer früh erntet, fängt die Säure ein, bevor die Sonne sie aufbraucht. Das ist der Handgriff, auf dem fast jeder gute rheinhessische Sekt beruht.