
Hessisch, festlich
Essen & Anlass
Zu Sekt passt in Hessen und im Rheingau auch Deftiges, und das hat einen Grund: Kohlensäure und Säure schneiden Fett. Handkäse mit Musik, der Sauermilchkäse mit Zwiebeln in Essig und Öl, ist dafür ein Beispiel. Ein trockener Riesling-Sekt hält gegen die Säure der Marinade.
Frankfurter Grüne Soße aus Kräutern, mit Ei und Kartoffeln, braucht Frische. Hier hilft ein Sekt mit wenig Dosage, etwa ein Brut. Zu Rippchen mit Kraut geht es um dasselbe: Fett und Säure auf dem Teller, und ein Schluck mit feinen Perlen räumt den Gaumen auf.
Sekt war in Biebrich immer auch ein Anlass. Söhnleins Rheingold diente als Taufsekt der kaiserlichen Marine, und bis heute zerschellt bei einer Schiffstaufe eine Flasche am Bug. Wer nicht trinken möchte, findet alkoholfreie Alternativen, die der Verband der Sektkellereien für 2025 auf 19,1 Millionen Flaschen beziffert.
Die Sektmarke ist hier auch Kulturgeschichte. Henkell gab 1904 für die Werbung zu Henkell Trocken 100.000 Mark aus und beschäftigte Zeichner wie Thomas Theodor Heine und Olaf Gulbransson, die für die Zeitschriften Simplicissimus und Jugend arbeiteten. Ihre großformatigen Anzeigen prägten das Bild vom Sekt als Getränk für besondere Tage.
1935 kam bei Henkell die kleine Viertelflasche Pikkolo auf den Markt, 1936 erschien die Silhouette des „Schwarzen Herrn“ auf dem Etikett von Henkell Trocken und blieb dort viele Jahre. Wer alte Etiketten und Anzeigen betrachtet, sieht, wie aus einem Produkt ein Zeichen für Festtage geworden ist.